Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiesner, Die Wertung der Geschlechter. 85 Kreise in dem männlichen Kinde das Kind par exellence erblickten1), und daß hochgespannte religiöse Naturen sich die Enthaltsamkeiten und Opfergelübde des Nasirats auferlegten, für den Fall, als ihnen ein Sohn geboren würde2). Männliche Sprößlinge werden nicht als gewöhnliche Gabe Gottes, sondern als eine besondere Gunst, als ein auszeichnendes Gnadengeschenk (pn) des Himmels aufgefaßt. Das Wort "p!T»t im zweiten Satze des Priestersegens bedeutet, er bedenke dich mit seinem höchsten Gnadenbeweise, er schenke dir Söhne3). Die höchste Genugtuung für die Kränkungen und Demütigungen, denen die von ihrem Manne des Ehebruches unschuldig verdächtigte Frau ausgesetzt war, erblicken die Lehrer darin, daß ihr, wenn sie bisher Mädchen geboren hatte, von nun an Knaben beschieden sein werden4). Der Grund des Frohsinnes und der Fröhlichkeit der Israeliten nach ihrer Rückkehr von der Tempelweihe Salomos in ihre Zelte (I Kön. 8, 66) bestand darin, daß eines jeden Frau einen Knaben gebar5). In dem Satze: freut euch vor dem Ewigen, euerem Gotte, ihr und euere Söhne und euere Töchter und euere Knechte und euere Mägde (Deuteron. 12, 12) beginnt die Aufzählung der Zugehörigen mit dem Allerliebsten, mit den Söhnen6). Der Stamm Naftali erfreute sich des besonderen Glückes, daß in ihm ausschließlich Knaben geboren wurden. Das wird daraus gefolgert, daß in dem Berichte über die Volkszählung die Zugehörigen dieses Stammes schlechtweg *6n£J „Söhne" Naftalis angesprochen werden. (Num. 1) Nasir 13 a wvx w nffnw nSi. 2) M. Nasir II, 7, Tosephta Nesiroth II, 8 2858, M. Kinim III, 6, 3) Numeri r. 11,6, vgl. Gen. r. 78,10 und 92,5. 4) Sifre (Friedmann) § 19, Tosephta Sotah II, 3 295\ Jer. Sotah III, 4 b. Sotah 26a, Berachoth 31b, Num. r. 9, 41, Tanch. (Wien) 94a, vgl. JOSEPHUS, Altert. 111,11,6. 5) Sabbath 30a, Moed Kat. 9a, Gen. r. 35, 3. —Zur etymologischen Deutung des Namens der Wüste Paran (pKß) von ms, fruchtbar sein (Sabbath 89ab), erklärt Rasi, daß die Frauen ihren Männern Knaben schenkten und bemerkt xran N^n *ojn* «Si. Diese Bemerkung findet ihre Erledigung in der Analogie der Stellen nrvSnK*? laSn (I. Kön. 8, 66) und D^SnxS nsh (Deuteron. 5, 27). Nachträglich finde ich, daß bereits Salomo Lurja z. St. darauf hinweist. 6) Sifre (FRIEDMANN) § 69.