Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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W i e s n e r 7 Die Wertung der Geschlechter. 83 der Umstand, daß das männliche Geschlecht den Träger der religiösen Praxis und des religiösen Wissens repräsentiere, während das weibliche Geschlecht sowohl von der Übung gewisser Zeremonien, als auch vom Studium der Gotteslehre befreit ist, dazu bei, den Knabengeburten ein höheres Interesse zuzuwenden. „Ein Erbe Gottes sind Söhne, Lohn die Leibesfrucht" (Ps. 127, 3). Die Sprößlinge des weiblichen Geschlechtes sind es, bemerkt der Midrasch, welche der Psalmdichter als „Lohn" bezeichnet, auch diese werden nur als Lohn für erworbene Verdienste zuteil, Söhne aber heißen vorzugsweise „Erbe Gottes", sie bilden den ihm zu seiner Verehrung höchst eignenden Besitz (H r&rtt), denn das Lob Gottes steigt vom männlichen Geschlechte empor1). Auch die Gott umgebenden himmlischen Wesen haben männlichen Charakter2). Und nicht als letztes Motiv erscheint bei der Freude über die Geburt eines Sohnes die Erfüllung des natürlichen Wunsches, in dem männlichen Sprößling seinen Namen zu erhalten, auf ihn seine Eigenheit und Wirksamkeit zu übertragen und in ihm nach dem Tode fortzuleben. Der Gedanke, sohnlos zu sterben und sich nicht ersetzt und fortgesetzt zu wissen, war überaus schmerzlich3). Unter den Worten 1D^> ms^n J^K ItTK (Ps. 55, 20) sind, nach der Deutung R. Jochanans und R. Josua b. Levis, jene Bedauernswerten zu verstehen, die nach ihrem Tode keinen Ersatz haben, keinen Sohn oder Schüler hinterlassen, an ihre Stelle zu treten4). Als Samuel Hakkatan gestorben war, ohne Söhne zu hinterlassen, hielten ihm die zwei bedeutendsten Männer seiner Zeit Trauerreden. Beide hoben das traurige Schicksal, keinen Sohn zu hinterlassen, in ergreifenden Worten hervor. „Dieser," sagten sie, „ist wahrhaft 1) Num. r. 3, 8, Tanch. B. Bamidbar 20, Tanch. (Wien) 190 b, Jalkut § 691. 2) Lev. r. 31,5. 3) Vgl. II. Sam. 18,18 und Jesaja 14,22, 56,5. — Schon in der Bezeichnung (gedenken) für Männliches ist der Begriff des Fortpflanzens des Andenkens und des Erhaltens des Stammes für die Zukunft enthalten. S. Levy, chald. Wörterbuch s. v. w II, S. 175. 4) B. bathra 116 a, Num. r. 10,4. An letztgenannter Stelle »yan anstatt prm. 6»