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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 82

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 82 (sequence 91)
Language
German
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82 Wie8ner, Die Wertung der Geschlechter. ihn mit den Worten: „nun hat Gott begonnen, dich zu segnen". Auf die Frage, woher er diese seltsame Auffassung über Segen habe, führte R. Chi ja den Schriftvers an: „als die Menschen anfingen, sich auf der Erde zu vermehren, da wurden ihnen Töchter geboren4' (Gen. VI, 1). Der Patriarch indessen, dem sein Sohn von dem Glückwunsche R. Chijas Mitteilung machte, meinte, daß allerdings zum Bestände der Welt beide Geschlechter notwendig und ein Segen sind, daß aber nichtsdestoweniger das Los desjenigen, dem männliche Kinder beschieden wurden, als das beneidenswertere zu preisen ist. Hat man endlich eine Tochter verheiratet und alle Auslagen bestritten, so muß man dem eigenen Kinde wünschen, daß es nicht wieder in das Elternhaus zurückkehre1). In der Tat hören wir, daß R. Gamaliel seiner Tochter bei ihrer Verheiratung, als sie ihn um seinen Segen bat, diesen von ihr anfangs nicht recht verstandenen Glückwunsch mitgab2). Stärker noch als beim Manne war bei der Frau der Wunsch nach einem männlichen Kinde. Für die Frau bildete das Bewußtsein, einen Sohn zu besitzen, eine Quelle des Trostes und der Zuversicht für ihr Alter. Sie war, bei gänzlicher Kinderlosigkeit aus Verschulden des Mannes, berechtigt, die Scheidung und die Auszahlung der Kethuba (verschriebene Summe im Ehevertrage) zu fordern. Die Forderung wurde mit der stehenden Phrase motiviert: ich benötige einen Stab und eine Schaufel, d. h. ich will einen Sohn haben, der mich in meinem Alter stützen und nach meinem Tode begraben soll3). Ein Lehrer ist der Meinung, daß die Frau die Wehen bei der Geburt eines Knaben infolge der Freude mit diesem schneller verwinde als die bei einem Mädchen4). Wie das moralische und wirtschaftliche Moment trug auch 1) Gen. r. 26,4, vgl. B. bathra 16b. Siehe Bacher, Ag. Tann. II, 461, 3. — In Ag. pal. Am. I, S. 297 eignet Bacher die Deutung zu Gen. VI, 1 R. Jochanan zu, sie ist aber älteren Datums und hat nach Gen. r. 26,4 R. Chija oder nach B. bathra 16b Rabbi zum Autor, da dessen Ausspruch nb\yb nto srn auf dieser Deutung beruht. 2) Gen. r. 26,4, vgl. Moed Kat. 9b. 3) Jebamoth 65 b, Kethuboth 64a, vgl. Berachoth 59 b. 4) Nidda 31b, vgl. Gen. r. 20,7.

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