Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Wiesner, Etwas üb. Kinderlosigkeit u. Kinderreichtum usw. ter und verpflanzen ihn hoffnungsfreudig in die Zukunft der messianischen Zeit. Das Glück, in welchem die vorsintflutlichen Menschen lebten, bestand in der außerordentlichen Fruchtbarkeit und raschen Vermehrung. Adam und Eva vermehrten sich noch am selben Tage ihrer Erschaffung. Ja, fügt ein anderer Lehrer hinzu, mit Kain wurde eine, mit Abel zwei Zwillingsschwestern geboren. (Gen. r. 22, 2. Vergl. Sanhedrin 38 b.) Vereinigen wir die einzelnen, an verschiedenen Stellen hierüber gemachten Angaben zu einem Ganzen, so gewinnen wir etwa folgendes Phantasiegemälde. Die Frauen gebaren zweimal im Jahre, und zwar jedesmal vier oder fünf Kinder. Die Schwangerschaft dauerte nicht länger als drei Tage, nach anderer Meinung nur einen Tag. Die Kinder waren schon am ersten Tage ihrer Geburt imstande, zu gehen. Es herrschte keine Kindersterblichkeit. Die Eltern erlebten fünf und sechs Geschlechter ihrer Nachkommen1). Ungeheuer groß war die Fruchtbarkeit der israelitischen Frauen in Ägypten. An den Ausdruck UTWl (Ex. I, 7) anknüpfend, wird die Zahl der Kinder bei einer Geburt von einigen Lehrern steigernd mit 2, 6,12 und noch mehr angegeben2). Aus dem Worte D^Dffl (Exod. III, 8) wird gefolgert, daß nur ein Fünftel, ein Fünfzigstel, «in Fünfhundertstel der Israeliten aus Ägypten zog. Ein Lehrer meint, auch nicht einmal der fünfhundertste Teil zog aus Ägypten, da sich Israel nach Ezechiel CVI, 7, ins Ungeheure vermehrt hatte3). Obed-Edom hatte nach II Sam. VI, 11 und 12, I Chronik XXVI, 4 acht Söhne und ebensoviele Schwiegertöchter. Weil er der heiligen Lade in seinem Hause drei Monate lang Gastfreundschaft gewährte, wurden seine Schwiegertöchter in jedem dieser Monate mit zwei Kindern gesegnet4). Als weitere Re- 1) Gen. r. 34,11, 36. Anf., Levit. r. 5,1, Tanchuma 7a, Agadath Bereschith c. 10. 2) Tanchuma 130 a, s. Bacher, Rabbanan S. 71,1. MechilthaFriedmann24a. Vergl. Ploss, Das Weib I., 557—559. Wunderbar, Bibl. talm. Medizin, II. Band, II. Abt., S. 23, Jeruschalajim vom Jahre 1845 S. 69. 3) Mechiltha Friedmann 13 a und 24 a. Pesikta Buber 85 b. Tanchuma Beschallach Anf. 4) Jer. Jebamoth IV, 12. Numeri r. IV, 20, Schir. r. zu II, 6. Vergl. Berachoth 63b. Beth-hamidr. Jellinek, III, S. 77.