Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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Etwas über Kinderlosigkeit und Kinderreichtum im Talmud. Von L. Wiesner, Wien. Ursachen der Kinderlosigkeit. Neben der schon in meinem Aufsatz „Kindersegen41 (Monatsschrift f. d. Wiss. d. Jud. 1922, S. 139), erwähnten Auffassung, daß Kinderlosigkeit als Strafe Gottes anzusehen sei, begegnen wir im rabbinischen Schrifttume auch der sicherlich nicht auf jüdischem Boden entstandenen Anschauung, daß Kindersegen ebensowenig eine Folge von Verdiensten, wie ihre Versagung eine göttliche Strafe sei; „Kindersegen, Lebensdauer und Nahrungserwerb werden durch die Konstellation vorherbestimmt."1) Dem gegenüber sprechen zwar andere Lehrer den Sternen den Einfluß auf das Geschick der Menschen im allgemeinen nicht ab, sie meinen jedoch, daß Israel unter der unmittelbaren Leitung Gottes stehe, dessen Macht die Bestimmung des Gestirns abzuändern vermöge. So sprach Abraham zu Gott: „Ich sehe vermittelst der Astrologie, daß ich unfruchtbar binu, Gott aber erwiderte ihm: „Verlasse die Astrologie, sie hat über Israel keine Macht, denn Gebete und Verdienste vermögen zu bewirken, daß die Konstellation keinen Einfluß ausübe."2) Nach einer anderen Version soll es die Namensänderung Abrams in Abraham und Sarajs in Sarah gewesen sein, welche den Einfluß der Konstel- 1) Moed Katan 28 a. 2) Sabbath 156 a, s. Rasi s. v. SkwS Stq Nedarim 32 a.