Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Wiesner, Etwas üb. Kinderlosigkeit u. Kinderreichtum usw. lation unwirksam gemacht hatte.1) Es sei auch die Annahme erwähnt, wonach einem Ehepaare nur in dieser Verbindung keine Kinder beschieden seien, wohl aber in einer anderen Verbindung. „Und Sarah, Frau Abrams gebar ihm nicht" (Gen. 16, 1). Dazu bemerkt ein Lehrer: „Nur ,ihm4 nicht, aber einem anderen Manne hätte sie wohl geboren".2) Eine Stimme läßt sich dahin vernehmen, daß die Gewährung oder Versagung des Kindersegens zu den Dingen gehöre, welche dem Menschen unfaßbar sind.3) Wie der Astralglaube, so fand auch die Anschauung in das Judentum Eingang, daß Unfruchtbarkeit durch eine Verzauberung von Menschen herbeigeführt werden könne, die mit Dämonen in Verbindung stehen. Man wandte sich an fromme gelehrte Männer, denen man die Kraft zuschrieb, die dämonische Gewalt zu brechen. So hatte sich einmal in Rom ein alter Mann aus Gram darüber, daß sein Sohn infolge Verzauberung kinderlos war, in ein Kämmerlein eingeschlossen, mit dem festen Entschlüsse, dieses nicht früher zu verlassen, als bis er Gelegenheit gefunden, den Weisen Israels sein Herzleid zu klagen und sie um ihre Hilfe anzugehen. Der Zufall wollte, daß gerade um jene Zeit die hervorragenden Lehrer R. Elieser, R. Josua und R. Gamaliel nach Rom kamen und bei dem Sohne dieses Mannes einkehrten. Der alte Mann schüttete vor ihnen sein Herz aus, und dem vielseitig gebildeten, auch mit dem Zauberwesen seiner Zeit vertrauten R. Josua gelang es, ihn zu beruhigen. Die drei Gelehrten vereinigten sich im Gebete für das kinderlose Paar, und ihr Gebet fand Erhörung. Der etwas dunkle Bericht schließt mit der Mitteilung, daß der Sohn, der diesem Ehepaare entsproß, kein geringerer war, als der berühmte R. Jehuda b. Bathira.4) Eine Frau konnte auch gegen sich selbst Zaubermittel anwenden, damit sie nicht gebäxe. Gegen Selbstverzauberung half aber keine ärztliche Kunst.5) 1) Gen. r, 44,10, Tanchuma, Schoftim 17 a, Agadath Bereschith c. 37, Pesikta r. c. 43. 2) Gen.r. 45,1. 3) Pirke d'Rabbenu hakadosch, Edition Grünhut, III in den Likkutim. 4) Jer. Sanhedrin VII, 13. Siehe Josts Annalen 1841 S. 83. 5) Jalkut I § 845.