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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 10 (sequence 16)
Language
German
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10 Grunwald, Zur Geschichte der Marranen. Rebello, der Jesuit Manoel Cordeiro, den seine bisherigen Arbeiten nicht zu einem solchen Unternehmen vorbereitet hatten, und der Dominikaner Pedro de Magalhaes, ein Mann „von einer großen Ehrlichkeit und Gelehrtheit und einer bewunderungswürdigen Frömmigkeit". Die Bemühungen der drei Priester waren ohne Erfolg. Tartas blieb ein guter Israelit, und schon am 26. Juli 1626 sagte der P. Magalhaes den Inquisitoren, „daß sich Castro nichts daraus mache, lebendig verbrannt zu werden, und daß er sich schon auf den Märtyrertod vorbereite." Die Inquisitoren äußerten sich zuerst dahin, daß man ihn nicht zum Scheiterhaufen verurteilen könne, da seine Taufe nicht sicher sei, aber der Generalrat kassierte dieses Urteil. Laut den Akten fand nun eine sehr interessante Untersuchung Platz: man forschte nach, ob es möglich sei, daß ein in Tartas, also in Frankreich geborener Mann, ein ungetaufter Jude sein könnte. Von den Aussagen aller Befragten, unter welchen sich der französische Consul und der P. Ponthelier befanden, kann man schließen, daß die damaligen in Frankreich wohnenden Juden dort unter der Maske guter Katholiken lebten, Die theologischen Verhandlungen zwischen Tartas und den Inquisitoren dauerten von 1645 bis 1647. Am 29. Juli letzteren Jahres erklärte er, „daß er nicht an das Gesetz Moses um Ehre und Reichtums halber glaube" und „daß er ganz gut wisse, daß er sein Leben durch seinen Glauben gefährde". Am 1. August 1647 urteilte der Rat der Inquisition, daß man Tartas reservieren sollte, da es nicht gebräuchlich war, Personen unter 22 Jahren zu verbrennen. Etwas später, am 15. November, ließ man die Inquisitoren wissen, daß sich der heroische Jüngling zum Tode vorbereite. Er aß kein vom Kerkermeister zubereitetes Fleisch mehr, weil es nicht kascher war; auch wollte er kein Licht mehr während des Sabbats. Eines Tages, während eines Verhörs, weigerte er sich, mit den Inquisitoren niederzuknien, als das Viaticum die Tür des Gerichtssaales passierte. Der gute P. de Magalhaes hatte es wohl und richtig prophezeit: Isac de Castro Tartas sah dem Scheiterhaufen mit Mut und ohne Zögern entgegen, sich bestrebend, mit „Bescheidenheit und Geduld zu leiden".

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