Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Zur Geschichte der Marranen. 9 befahl, dem Bischof vor, ihm erklärend, er sei Jude und heiße Joseph de Liz.1) Der Geistliche glaubte sich in Gegenwart des Teufels, bekreuzigte sich vielmals und schlug ein Zetergeschrei an. Der junge Mann, von diesem Betragen beängstigt, sagte dann, daß er sich taufen lassen wollte. Diese nur momentane Schwäche kann man ihm leicht verzeihen und sein späteres Benehmen war einer großen Seele würdig. Der Bischof ließ Castro am 16. Dezember 1644 kommen, um ihn zu verhören. Er gab an, in Avignon, dem päpstlichen Besitztum, wo die Juden toleriert waren, geboren zu sein. Als seinen Vater nannte er den Juden Abraham Meatob.2) Er setzte hinzu, daß er in Tartas, Bordeaux, Paris, Amsterdam, Parahyba und Pernambuco gewesen. Seine Erzählung ist ein Gemisch von Wahrheit und Dichtung, wodurch er sich von der Inquisition befreien wollte. Der Bischof ließ ihn arretieren, und da man bei ihm seine Tephillin fand, sandte man ihn am 4. oder 5. Jänner 1645 der Inquisition in Lissabon, wo er am 15. März anlangte, und noch am selben Tage schlössen sich die Türen des Inquisitionskerkers hinter ihm. Sein erstes Verhör fand am 25. Juni 1645 statt; er bekannte sich aufrichtig als Jude und erzählte, seine Mutter hätte an seiner Stelle ein anderes Kind taufen lassen. Er gab zu, in Tartas als Katholik gelebt zu haben, aber nicht in Bordeaux, wo die den Protestanten gewährte Toleranz einen günstigen Einfluß auch zugunsten der Israeliten ausübte. Während seiner Verhöre behauptete er stets, daß er es aufrichtig meine, und daß er bereit wäre, sich zu bekehren, falls man ihm den Irrtum seines Glaubens beweisen könnte. Am 15. Dezember 1645 delegierte die Inquisition 3 Priester, um mit ihm zu unterhandeln. Dies waren: der Dominikaner Manoel 1) Warum er diesen unter Marranen sehr seltenen Namen gewählt hat, wissen wir nicht. Im J. 1716 schickte ein Abraham Lopez de Liz eine sehr schöne Kopie von der 6. Dekade von Joao de Barros und Diego de Conto nach Amsterdam; Gatalogue de vente dela succession de M. D. Henriques de Gastro, No. 556. —Amsterdam, 10 Mai (1899) 4°. 2) Wahrscheinlich ein Irrtum des portugiesischen Schreibers; man muß Meatob lesen, Name einer jüdischen Familie von Hamburg. — Siehe Grunwald, Portugiesengräber, Seite 116.