Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Grunwald, Zur Geschichte der Marranen. Neffen Joao und Manoel Soares, aus Portugal geflohen; Luis Soares Borges, Priester, in Santarem, von der Inquisition eingekerkert; Diogo Soares, Priester, in Rom; ihre Söhne Francisco, Manoel, Jeronimo und Tristaö, nach Brasilien ausgewandert; ihre Tochter Violante Soares, Witwe nach Leitaö Nogueira, ebenfalls im Kerker sitzend. Maria Luis Soares war von verschiedenen Personen wegen Judaismus angeklagt. Unter ihren Denunzianten befand sich der Doktor Diogo Rodrigues, welcher i. J. 1642 den Scheiterhaufen bestieg. Ein Inquisitor riet ihr, alles zu gestehen; dafür versprach er ihr seinen Segen und die Freiheit. Um ihrer Freiheit willen hätte die arme alte Frau Himmel und Erde verraten, und so folgte sie dem Rate und machte ein Geständnis. Große Freude des Inquisitors, der ihr auch gleich seinen Segen gab, aber die Kerkertüren öffneten sich nicht für sie. Einige Zeit nachher arrangierte man sich, wir können nicht erraten, zu welchem Zwecke, die arme Frau mit ihrer Tochter, die, wie schon gesagt, im Kerker saß, sprechen zu lassen. Die Tochter warf der Mutter ihre Geständnisse, die falsch waren, vor, und die arme Mutter, von diesen gerechten Vorwürfen erschüttert, erklärte den Inquisitoren, daß sie alles Angegebene widerrufe. Von andern Mitgefangenen über die Folgen ihrer Widerrufung in Schrecken und Bangen gesetzt, gestand sie zwar nochmals, setzte aber hinzu, daß sie bloß die Gesetze Moses befolgte, um sich von Krankheiten zu befreien. Einer von ihren Schwiegersöhnen, Gaspar Nogueira de Souza, Alt-Christ von Santarem, hatte den seltenen Mut sie zu verteidigen. Er nannte dem Gerichte eine große Anzahl von Feinden seiner Schwiegermutter, die er im Verdachte hatte, gegen sie gesprochen zu haben. Nach einem langwierigen Prozesse wurde ein Todesurteil gegen sie gefällt. Als man ihr dies verkündete, widerrief sie einen Teil ihres Geständnisses. Sie erschien am Auto des 15. Dezembers, aber wir haben Grund zu glauben, daß das Urteil erst im Januar 1648 vollzogen wurde. 4. Das interessanteste Opfer dieses Autos ist sehr bekannt in der Geschichte des Judentums: es ist Isaac de Gastro Tartas, um dessen Name sich eine Legende gebildet, dessen wahre Persönlichkeit man aber bisher wenig kennen gelernt