Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 479)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2638044-2638083-2638084--2463-2639837- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
468 GrunwaJd, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. (Monatsschr. f. d. Gesch. u. Wiss. d. Jud. 1911, S. 405, 2 und Liber (Rev. d. et. juiv. 1912 p. 26, i) erkennen in Chamikka, eine Beziehung zur Wintersonnenwende [Die Lichter am Chanukka bilden ebenso wie die Illumination am Wasserschöpffeste eine Analogie zum Johannisfeuer u. dergl. Über die Beziehungen Secharjas zu diesem Gegenstande, die Gründe, weshalb gerade Ägypten sich von der Wallfahrt nach Jerusalem ausschließt usw. jetzt Heller in Magyar Zido Szemle 1923, S. 18ff.]. „Sterben" und „Wiedergeburt" der Sonne (vgl. den Phoenix) kommt vielleicht in der Differenz zwischen den Schulen Hillels und Schammais Schabb. 21b zum Ausdruck. Nach der einen zündet man am 1. Tage Chanukka 8 Flammen und dann täglich eine weniger an. Nach der anderen hat man von einem Lichte am ersten Tage nun Tag um Tag eines mehr bis zu 8 aufzusteigen. Auch über eine entsprechend verschiedene Praxis wird 1. c. aus Sidon berichtet. Die heutige Übung ist die der täglich fortschreitenden Lichtvermehrung, die das Neuaufleben und Erstarken der Sonne nach dem Solstitium ausdrückt. Auf die Wintersonnenwende wird im jüdischen Ritus noch heute dadurch Bezug genommen, daß man vom Abend des 59. Tages nach dem Tebeth-Äquinoctium an bis Pessach, an dem feierlich um Tau gebetet wird, außer der mit Schemini acereth anfangenden Einschaltung „der wehen läßt den Wind und herabsendet den Regen", in das tägliche Hauptgebet eine Bitte um Tau und Regen aufnimmt. (Über Gebete und Bräuche, um Tau zu erlangen: Mannh. 316; über die Rolle des Taus bei den Arabern vgl. Arch. f. Rlgsgesch. XIIL45). Dieser Anfangstermin fällt gegenwärtig auf den 5. Dezember, somit mit Rorate (vgl. Jes. 45, 8) zusammen. Solche Winterfeste werden als Gegenpart zu den Mittsommerfeiern allenthalben begangen (Mannh. 236). Während an diesen die Kraft der die Ernte herbeiführenden Sonne unter freiem Himmel, allenfalls in Laubhütten mit lichtdurchlässigem Dach gefeiert wird, so im Wintersolstitium die im Mittwinter einsetzende Wirkung der Frühlingssonne im festlich erleuchteten 1) Schon Ewald, vgl. Grünb. 136, dagegen ZA. 22.