Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 477)
- Language
- German
- Belongs to
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466 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. der des mit ihm, wie wir sehen, in engem Zusammenhange stehenden messianischen Gedankens, in dem, wie wir oben zeigten, das bäuerliche Ideal, „jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum" (Sech. 3,10 u. s.), mit dem kosmopolitischen (das. 2,15, Kap. 14 u. a.), — die Anschauung des Landmannes, dessen Sein oder Nichtsein von den Witterungsverhältnissen abhängt, mit dem des Kaufmannes, des Besuchers internationaler Messen, in der höheren Einheit des monotheistischen Gottesgedankens verschmolzen ist. Demselben Gedankenkreise scheint auch das Holzopfer (qorban *ecim) zu entstammen, das besonders am 15. Ab im Tempel zu Jerusalem dargebracht wurde (vgl. Hamburger, Realencyclopädie II, 881). Eine auffallende Analogie hierzu liegt in der Holzfahrt in Köln (Mannh. 375) vor, sowie der Tanz an diesem Tage (über solche Tänze: Storfer, Maria 67) — auch am Jomkippur (Ta'anith 21) — an den Brautmarkt in Kindsleben (1. c. 449 s. oben) erinnert. Alles, was im Talmud hierüber berichtet wird, läßt in diesen Bräuchen Äußerungen uralten Volkslebens vermuten. Auch das Umreiten mit Tannenzweigen am Pur im, das Verbrennen des Hamanbildes u. a. m. (Mitteil. I, 106) zählt zu derselben Kategorie. Weniger ins Gewicht fallend, wenn auch immerhin beachtenswert, sind folkloristische und religionsgeschichtliche Anklänge an die Verwendung von Wein und Öl am Sukkoth. (Wein und Öl als Opfer an die bösen Geister, um Brautleute und vornehme Personen, hier das Erdreich vor ihnen zu schützen, vgl. Büchler, 1. c. 37). Beim Fest des Wasserschöpfens wurde auch Wein verwendet (SukkaIV, Mischnah und Tosefta) und von 4 Kindern (kultische Keuschheit, vgl. Fehrle, D. kult. K. im Altertum) Öl in Kandelaber gegossen (Sukka V, 2). So wird in manchen Gegenden zum Beschütten statt Wassers oder Getreides Wein gebraucht (Mannh. 225 ff.). Während in Nordtirol die Weide in Gebrauch ist, ist es in Südtirol der Ölzweig (1. c. 289). In der Gegend von Marseille wird Wein und Öl auf einen Holzklotz gegossen (1. c. 227), was zu dem verwandten Gedankenkomplex des „Ölgötzen" hinüberführt. In Südfrankreich nimmt das jüngste Kind die Liba-