Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 476)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. 455 empfangen Mikhael und Gabriel „die Fürsten (= Schutzengel) Israels" die Gerechten an der Pforte des Paradieses. Gott selbst erscheint in ihrer Mitte und läßt ihnen von Adam, Seth, Abraham u. a. aufwarten, was an die Uschpisin in der Laubhütte erinnert, die, wie oben bereits erwähnt, als Zelt des Pfingstkönigs, noch heute den Mittelpunkt der Pfingstspiele, des Königsspieles und Königsreitens bildet und als Tanzlokal dient (die Literatur bei Helm in „Hess. Blätter f. Volksk. XI, 29").J Aus der Haut des Livjathan wird die Hütte für die Seligen gefertigt (die Hütte Sodoms etwa in Erinnerung an Sukkoth Benoth?), was auf Hiob 40, 31 (vgl. Raschi) „Sukkoth coro" zurückgeht, wo auch von Bachweiden (Vers 22) die Rede ist (vielleicht stehen die geflochtenen Hoschanoth mit dem Geflecht des Behemothmembrums Vers 17 zusammen). Die Erwerbung der Haut ist auch das Ziel der Jagd auf den kalydonischen Eber, des Abenteuers mit dem nemeischen Löwen, der Herbeiholung des goldenen Vliesses, wobei die Sonne (s. oben Mikhael) der Jäger, der Mond das Wild ist (Arch. I, 138; aus Delphinenhaut ist der Schlauch des Aeolus gefertigt; vgl. Sech. 6, 5ff., die Sonnenpferde 2 Kön. 23,11, das Pferdetor in Jerusalem). Daß man sich fürs nächste Jahr einen Sitz in der Sukka aus der Haut des Livjathan wünscht, spricht die Erwartung des Messias aus, vgl. auch die „fallende Hütte Davids" (Arnos 9,11), deren Aufrichtung Gegenstand eines Gebetes in den Sukkoth-Mittelfeiertagen bildet. In der hier versuchten Deutung des Ursprunges sowie der Entwicklung des Sukkoth dürften alle eingangs aufgeführten Einzelheiten dieses Festes eine, wie wir glauben, annehmbare Erklärung finden. Ähnlich, wie der mosaische Opferdienst auf einen längst geübten Kult aufgebaut ist, sind allem Anscheine nach auch in die Feier des Sukkoth ältere Bestandteile aufgenommen worden, die im Rahmen der vergleichenden Volkskunde verständlich werden, deren Herkunft und innerer Zusammenhang aber schon im jüdischen Altertum verschüttet war. Gleichviel, ob im einzelnen Entlehnung oder Parallelismus vorliegt, der Grundgedanke hat im Judentum eine diesem ureigene und von der Umwelt sich scharf und deutlich abhebende Entwickelung genommen. Diese Entwicklung deckt sich mit (xrunwald, Jahrb. f. jüd. Volksk. I. 30