Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 475)
- Language
- German
- Belongs to
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464 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. dem Livjathan diesen töten und sein Fleisch, das, nach Jes. 53, 4, alle Leiden der Welt zu heilen vermag, den Seligen, auch den edlen Nichtjuden, während sie am nationalen Pessachmahle nicht teilnehmen (Megilla 1,13), zur Mahlzeit bereiten wird (nach Sanh. 94 wurde der Messias bereits zur Zeit Chizkias „gegessen"). Nach einer anderen Variation nimmt der Schor ha-bor x) (auch Behemoth), der aus dem Parsismus übernommene messianische Stier (s. oben; auch Poseidon läßt den ungeheuren Stier aus dem Meere aufsteigen: Arch. I, 216) mit dem Livjathan einen Kampf auf, der mit der gegenseitigen Vernichtung beider endet und an das Schicksal von Sonne und Mond in der Endzeit erinnert (Jes. 24, 23; Joel 3, 4; vgl. Volz 263, 301). Auch sein Fleisch dient den Seligen zur Speise. Zu Fisch und Fleisch gehört, wie noch heute bei der jüdischen Freitagabendmahlzeit der Wein2). Den Seligen wird als Getränk kredenzt der „jajin m'schummar", „der Wein, der aufbewahrt ist seit den Tagen der Schöpfung". Nach Offenb. 22 werden die Frommen im Jenseits „Wasser des Lebens" trinken und Früchte vom „Baume des Lebens" genießen, eine Vorstellung, die mit dem Parsismus zusammenhängt (Pflei derer, Urchristentum II, 54). Der Lebensbaum wird aber auch als Weinstock vorgestellt (Henoch 32, 3 ff, vgl. Volz 376), der, wie nach der arabischen Legende die Palme, nach der Bibel auch nach der Sintflut zuerst gepflanzt wurde. Hierbei ist an den goldenen Weinstock im Tempel zu Jerusalem und den als Weinstock dargestellten Lebensbaum an der Tür der Altneuschul in Prag und christlichen Denkmälern zu erinnern. Vom Genuß des Weines vom wunderbaren Weinstock spricht Ap. Bar. 29, 5 ff. Als Symbol der Fruchtbarkeit gilt der Weinstock Ps. 128,3, vgl. Storfer 96 und Hov.-Kronf. 518. Außer Wein steht bei jenem paradiesischen Mahl auch Apfel- und Granatapfelwein zur Verfügung. Nach dem Zeremoniell der „Se'udath livjathan" (Jellinek, Beth ha-Midrasch VI, 150) 1) Wildstiere (Geiger 2, 309) und Schlangengreife DMG. 76, 96 Himmelsstier Hak. 1,134. 2) Auch arab. Nach manchen außerdem Brot (Manna) und der Tarnegol b'ra (der chines. Riesenvogel, bei Nacht leuchtende Edelstein) DMG. 60,344; Grünb. 222; Simonsen-Festschr. 148.