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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 462

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 462 (sequence 466)
Language
German
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456 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. Raschi zu 1. Mose 39, 6 u. „Laib", Brot). Der Sinn des „Schlagens mit der Lebensrute" ist nun der, daß der ursprünglich tatsächlich vollzogene Geschlechtsakt durch symbolisches Bestreichen mit der Rute und Besprengen mit einer Flüssigkeit abgelöst wird. Auch dies wird des weiteren abgeschwächt durch das einfache Entgegentragen des Lebensbaumes und die symbolische Erhörung dieser Werbung. Auf den Lulab angewandt, ergibt sich als der in ihm ausgedrückte Gedanke: die Sehnsucht der Kreatur nach Bewässerung durch den Regen. Das Gleiche gilt vom Schlagen mit der Hoschana, vom Wasserausgießen beim Wasserschöpffest und der Sukka. Die von Büchler (Das Ausgießen von Wein und Öl, S. 23) betonte auffallende Gleichheit der Ausschmückung der Hütte am Sukkoth (Sukka 10a) mit der des Brautzeltes erklärt sich dadurch, daß dem Sukkothfeste ursprünglich die Idee einer Hochzeitswoche zwischen Himmel und Erde oder den oberen und den unteren Wassern zugrunde liegt. (Schon M. L. Stern, Der Festmonat Tischri... in,, Jüd. Chronik" III, S. 136 sagt: „In Wahrheit ist die Laubhütte an und für sich gleichsam das Brautzelt und der Pflanzenstrauß der Hochzeitsstrauß unserer Vermählung mit der bräutlichen Erde".) Daher auch das Fackeltragen, Musizieren und das Tanzen selbst der Würdenträger, wie vor der Braut, so bei der Wasserschöpf feier. Sukkoth ist somit von Hause aus ein agrikultures Fest des Naturkreislaufes mit Sterben und Auferstehen, ein Fest, so alt, daß der Talmud, wie bei anderen uralten, vormosaischen jüdischen Volkssitten, wie Erdbestattung der Leichen, Krankenbesuch usw., nach einer Andeutung dafür in der Thora fragt. Von der mosaischen Lehre wurde dieses Fest auf eine geschichtliche Basis gestellt und im Laufe der Zeit immer mehr vergeistigt. Aus der religiösen Ernte- und nationalen Gedenkfeier wird ein Fest der Auferstehung, aber nicht nur der Auferstehung des einzelnen, sondern des jüdischen Volkes, dessen getreuer Eckart Elia sowohl die Idee des Regensegens (Bab. mec. 85 b) als auch die des Messias in sich verkörpert, sowie der damit verbundenen messianischen Erlösung der gesamten Menschheit.

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