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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 461

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 461 (sequence 465)
Language
German
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Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. 455 läßt man das Pfropfen der Bäume „durch ein schönes Mädchen vornehmen, dem während dieser Operation ein Mann auf unnatürliche Weise beiwohnte" (Mannh. 31). Offenbar sollte der an dem Mädchen vorgenommene Akt den Erfolg des Okulierens fördern. In einer alten Bußordnung heißt es: „Ein Weib wird unfruchtbar", „si semen viri sui neglexerit aut in arborem putridam ponit (1. c.)". Hier wird die Frau ganz offenbar als Doppelgängerin des Baumes betrachtet. Nach arabischer Überlieferung ist sogar die Palme aus demselben Stoffe, wie Adam, geschaffen worden und darum ihm nächst verwandt. Mohammed empfiehlt (Sure II, 223, vgl. Sure 78, 3if., auch Nork 205, 222) seinen Gläubigen die eifrige Bestellung ihrer „Äcker". Omar Haleby nennt die Jungfrauen einen fruchtbaren Acker (Storfer, Maria 114). Bei den Munda Kohls in Ghota Nagpore ist der Mutterleib „Gottes Ackerfeld". In einer Erzählung einer Pfälzer Handschrift (1. c.) bezeichnet sich eine Frau selbst als Weingarten, den ihr Mann vernachlässige, wie Pirqe d'R.Eliezer 21 die Frau ein Garten genannt wird (in der Kabbala: Rubin, Agada 12). Die Erde, das unersättlich nach Befruchtung (Wasser) lechzende Weib (vgl. Spr. 30,16 u. a. m.), wird befruchtet durch Prajapatis Samen, durch Gießen von Milch und Honig in die Erde, durch Wasserausgießen Samen ausgießen (vgl. die Danaidensagen und verschiedene Bräuche: Arch. f. Rlgsw. II, 61; Storfer 119), durch Menschenblut (Reitzenstein 78). Reziprok werden Jungfrauen durch Bäume oder Schilf, Essen einer Baumfrucht, Regen oder Sonnenbestrahlung geschwängert (Storfer 91, 165, 169; Hov.-Kronf. 520). Bei Hans Sachs nennt eine Frau ihren Mann ihren „lieben Hollerstock" (Hov.-Kronf. I, 253), wie umgekehrt bei den Magyaren der Mann einer Unfruchtbaren mit einer Beschwörungsformel einen Baumast schüttelt (1. c. II, 517; vgl. das Schütteln des Lulab). Ähnlich lautet die ruthenische Besprechung: „Wald, Wald, heiraten wir!" (203). Der Mensch sexualisiert die Natur (Kleinpaul), aber er naturalisiert zugleich sich selbst, indem er den bekannten Zauber am pars pro toto auf seinesgleichen anwendet, um auf die Natur einzuwirken. Die Befruchtung der Frau giebt dem umgebenden Kosmos Fruchtbarkeit, weckt neues Leben in ihm (vgl. auch

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