Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 462)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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452 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. Kirche frühzeitig sowohl die Palme als auch den Paradiesapfel auf den Palmsonntag übertragen. In Rußland heißt er, wie bei den Juden der 7. Tag des Sukkoth der „Weidentag" (der wegen des Weidenschlagens nicht auf einen Sabbath fallen darf: Sukka 43b), der „Weidensonntag". Wie die Juden die Hoschana im Tefillinbeutel (über „chokmath haththamar"-Phyllomantie: Rubin, Agada 37) oder unter der Wäsche aufbewahren, steckt man in England die Palmweide in die Geldbörse (284); in Belgien werden die „Palmtakken" ins Viehfutter gelegt, um die Würmer zu vertreiben (287), auch sonst als Schutzmittel gebraucht (Blochwitz 172); Weidenkätzchen, am Palmsonntag genossen, schützen vor Hals- (Hov.-Kronf. II, 20) und Kopfweh (1. c. 193). Der norddeutsche Bauer schlägt die Rinder mit Queckruten (Blochwitz a. a. 0., B. bringt diesen Brauch mit den Ruten in Zusammenhang, die Jakob an die Tränktröge stellte: 1. Mose 30, 37f., wofür jedoch der biblische Text keinen Anhalt bietet). Hiermit soll dieselbe Wirkung erzielt werden, wie mit dem Wasser aus den sog. Jung-, Lebens-, Wunder¬ und Queckbrunnen (althchd. quecprunno), denen unversiegbare Kraft innewohnen sollte. (Über den Urdsbrunnen und Frau Holle vgl. Wünsche 85, Mannh. 65). In solche Brunnen oder fließendes Wasser, das ist der Ursprung aller dieser Bräuche, wurden zur Herbeiführung von Regen Zweige bestimmter Pflanzen getaucht und die verdorrenden Felder besprengt (1. c. 21 f.; einen solchen Regenzauber im 11. Jahrhundert in Hessen und am Rhein verbietet Burkhart von Worms). Meist finden wir aber Rutenschlagen (vgl. auch Hovorka- Kronfeld I, 438) und Wassergießen getrennt. Wie das Jungvieh werden Obstbäume und junge Ehepaare gequeckt, d. h. mit den sog. Glücksruten geschlagen. Von immergrünen Gewächsen nahm man zu diesem Glückzuschlagen im Frühling junge saftige Triebe, im Sommer blätterreiche Büschel, im Herbst strotzende Fruchtzweige, wonach wir in dem Lulab die Vereinigung aller vier Jahreszeiten erblick°n dürfen. Andererseits wird in manchen Gegenden ein Mädchen (vgl. auch das Hineintreiben der Mädchen ins Wasser: Fuchs, Sittengesch. I, 478), das sog. Regenmädchen, nackt, ganz in grüne Reiser