Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 461)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. 451 Zweige vom Grabe eines Selbstmörders (V. f. sächs. Volkskd. 1912, S. 30). Zu verschiedenen Zeiten, oft nach Einfuhr der letzten Garbe, in der ausgesprochenen Absicht, den Regen für das nächste Jahr zu erwirken, werden Menschen, Tiere, Pflanzen oder die Erde mit einer Rute geschlagen1) (Mannh. 213ff.). Mannhardt nennt sie (251 ff.) die „Lebensrute" (vgl. Rute als Bezeichnung für das Membrum virile, wie Ez. 8,17 u. 23, 20 il santo membro: Rubin, Agada 34), im Jüdischen dafür ec ha-chajjim „Lebensbaum", für den Geschlechtsakt, „vom ec ha-da'ath essen" (über ec ha-dacath bei Ihn Ezra und „erkennen", „bezeugen", „testari": Rubin, Agada 12 u. 16). Diese Rute ist eine geflochtene Weidengerte (Mannh. 251 u. s.) oder ein Myrten- (287) oder ein Palmzweig (246, 290 u. s.). In Ellwangen und Oberbettringen (Schwaben) klopfen die Buben beharrlich mit ihren Palmbesenstielen auf den Boden, dann einander an die Köpfe (258; aus dem 13./14. Jahrhundert: Hess. Bl.f.Volksk.VII,S. 119). Schlagen in Verbindungmit Begießen begegnet uns beim ungarischen Adel. Am Ostersonntag werden die Mädchen mit Rosenwasser besprengt (259), was ohne Unterschied des Geschlechtes auch in jüdischen Kreisen bei festlichen Anlässen zu geschehen pflegt (vgl. auch uns. Mitteil. 1,107)2). Am Osterdienstag vergelten die Mädchen dieses Besprengen dem Mannsvolk, indem sie es mit Weidenruten, sog. Fitzelruten (von „fitzeln", nach Grimm „mit Ruten schlagen", vielleicht das jüdische „Fitze kappore!"), schlagen. Statt mit Wasser wird mitunter mit Wein, Bier u. a. begossen (Mannh. 214f., vgl. den Brauch, bei der Habdala Wein auf die Erde zu schütten, über die Augen zu streichen und in die Taschen zu tupfen; uns. Mitteil. I, 108f.). Wie weit hier Übernahme jüdischen Brauches vorliegt, wird sich schwer feststellen lassen. Nachweisbar hat die christliche 1) Gegenseitiges Schlagen, wenn Mißwaehs befürchtet wurde, in einer Art Kriegsspiel im Rhät. Gebirge SchwKB. 1,4; Schw. 13,266. Auspeitschen Sei. 2, 273. Brautpaar auf Kopf und Fußsohlen 288. Pritschenschlag der Narren Sächs. 5, 329. Jacob hinaus und Barthel hinein Sart. 3, 243. Wolle im Meer waschen und mit Ruten schlagen Rev. Ec. 425. Carneval carrus navalis erinnert an die ursprüngliche Verbindung mit einem Wasserfest. 2) Auch Schwarz 341. 29*