Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 457)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. 447 „Ein Fichtenbaum steht einsam" erinnert, — so war die Palme unvergleichlich dazu angetan, das Prinzip der Fruchtbarkeit zu verkörpern, aber einer Fruchtbarkeit, die, ganz besonders bei der Palme, bedingt und geweckt wird durch die Kraft des Wassers. Die Myrte mit ihrem belebenden Duft und ihrem immergrünen, dichten Blätterschmuck, bei den Griechen der Aphrodite heilig (Storfer 1. c. 59), gilt gleichfalls als Symbol der Fruchtbarkeit, des Kindersegens. Auf ihr wachsen, nach jüdischer Überlieferung, die Seelen. Mit Myrtenzweigen in der Hand tanzte man in talmudischer Zeit vor dem Brautpaar, dessen Haus mit Myrten und Palmen1) geschmückt wurde, während der Bräutigam mit Rosen und Myrten bekränzt war. Beim Pidjan ha-ben wurde nach gaonäischem Brauch über Wein und Myrte der Segen gesprochen. Der Umstand, daß sich die Myrte nur in der Nähe von Wasserläufen findet, weist gleichfalls auf die Unentbehrlichkeit des Wassers hin. Die Bachweide2), bei den Griechen der Hera geweiht, deren Geburt die Sage unter die heilige Weide auf Samos verlegt, wächst, wie schon der Name besagt, am fließenden Wasser (Weide bei den Tyriern, CREUZER 1. c. II, 534, in Ägypten 569). Ihr rasches Welken, wenn sie von dieser nährenden Quelle getrennt wird, erweckt ergreifend die Empfindung, wie die Kreatur auf den Segen des feuchten Elementes angewiesen ist. Im Himmel ,,'Araboth" (auch Bachweiden) residiertMikhael, der Engel des Wassers! (Jalqut Beresch. 132; die Fixsternsphäre als Totenwiese: Volz 361, 379). Im Feststrauß gilt sie als Repräsentantin der jung verstorbenen Stammutter Rahel. Die Weide, die ihre Frucht abwirft, bevor sie zur Reife gelangt ist (Odyssee 509), das Bild der Trauer, wächst, nach griechischer Anschauung, am Ufer der Unterwelt (Zeichen und Mittel der Sterilisierung: Hovorka-Kronfeld 514; Storfer, Marias jungfräul. Mutterschaft, 44: anaphrodisisch; die geflochtene Hoschana sowie die kettenförmige Myrte erinnern an den Blitz, der im arab. und sonst als Kette bezeichnet wird) 1) Sie beide allein zu tragen wird schon einem Opfer gleichgeachtet: Sukka 46 b. 2) Gegen den bösen Blick Sei. 2, 90.