Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 448 (sequence 452)
- Language
- German
- Belongs to
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442 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. dieses Paares in manchen Gegenden als Prinz und Prinzessin ist mit der Bezeichnung des jüdischen Brautpaares als König und Königin zu vergleichen und verrät Anklänge an das Hohelied. Der Maibaum wird in die Mitte des Marktplatzes gestellt und von der Jugend umtanzt. Neben ihm wird eine Laubhütte, die Maihütte, errichtet, in der eine Puppe, in England „ Queen of May" oder „Lady of May" genannt (noch heute die Mayweek in Cambridge), oder, wie in Böhmen, der Mai- oder Pfingstkönig (Mannh. 354) oder, wo das „Maiführen"x) mit dem Schützenfest verbunden wird, der Schützenkönig residiert. Baum und Hütte nebeneinander lassen einen sexuellen Hintergrund vermuten: der Baum als Phallus2), die Hütte als Sinnbild des gebärenden Leibes (Storfer, Maria 122). Auch nach jüdischer Auffassung liegt der Sukka ein ähnliches Moment zugrunde. Sukka und Chuppa, Braut zeit, werden promiscue für einander gebraucht. Mit der Chuppa, in der, nach Gen. r. 18, l u. s., Adam gewohnt hat, ist die Hütte identisch, in der einst der Messias und jeder Fromme im Paradiese wohnen wird (Pesikta 187 b)3). Diesem sexuellen Charakter des Festes entspricht die Teilnahme eines fingierten Braut- oder wirklichen jungvermählten Ehepaares am Festzuge. Sie deutet eine Beziehung zwischen dem menschlichen Geschlechtsverkehr und der Fruchtbarkeit in der Natur an, wie umgekehrt das Vorantragen eines mit Symbolen der Fruchtbarkeit geschmückten Baumes, bei den Türken4) einer Palme (vgl. LöBBL, Hochzeitsbräuche in der Türkei), im Hochzeitszuge. Bei den Kleinrussen inWolhynien wird (Mannh. 222) nach der Trauung ein Tannen- oder Fichtenzweig in das Haus der Braut getragen, und die Brautmutter beschüttet den Schwiegersohn mit Ähren und Nüssen. Dieses Beschütten ist weitverbreitet (Hovorka-Kronfeld 515), ins- 1) DMG. 76, 52. 94; Orelli 258. Verbunden mit Kampf zwischen Sommer und Winter Sart. 3,179. Zunftfeste, Fischerstechen („die Braut"), Schönbartlaufen Sart. 3,248; Sachs. 5,329. 2) Ph., auch der Derketo geweiht Sei. 2,190, diente zur Anlockung und Ableitung der weiblichen Dämonen 1. c. 193, wie für männl. die Löcher auf Steinen in Paläst., vgl. Schild mit cunnus Sei. 2, 203. 3) Urzeit Endzeit. 4) Auch künstliche Palmen mit Baum- und Tierfiguren als Symbol der gebär. Kraft Wiesner 214.