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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 444

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 444 (sequence 448)
Language
German
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438 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. dieses Ozeans durch die Spalten des Himmelsgewölbes dringt, regnet es1). Himmel und Erde bildete der Schöpf ergott Marduk aus den Hälften der von ihm erlegten Tiämat. Bei der Sintflut (1. Mose 7, n ff.) brechen die Quellen der großen Tiefe auf, während gleichzeitig durch die Fenster des Himmels der Regen herabströmt. Eine Vorstellung, die, zumal wenn man an die Kämpfe Gottes mit Rahab, Livjathan und Tehom (Ps. 74,12 ff.; 89,10ff.; Jes. 51, 9ff.; Hiob 9,13; 26,12 etc., s. unten) denkt, auf eine der babylonischen verwandte Kosmogonie zurückzugehen scheint (vgl. Meissner in Mitt. Schles. G. f. Vksk. XI, 144). Nach einer anderen jüdischen Anschauung (Ber.r. 13) gelten die oberen Wasser als männlich, die unteren als weiblich2). Die Meere und Abgründe (Tehom ist, wie die phön. Baau, weiblich) geben das Wasser für die Wolken her, aber der so erzielte Regen schwängert die Erde nicht recht. Das beste, das Manneswasser, sendet Gott aus den guten Kammern des Himmels3) (vgl. Bin Gorion, Sagen der Juden I, 9; bei Heraklit ist das Meer der Samen der Welt; über die Bezeichnung der Gottheit als „Meer" in der Kabbala s. S. Rubin, Agada 8). Die Idee eines solchen Geschlechtsunterschiedes mag durch den Anblick einer Wasserhose verstärkt worden sein, wie überhaupt nach einer zutreffenden Bemerkung Boelsches die kosmogonischen Vorstellungen der alten Hebräer auf eine Insel oder ein Küstenland als Herkunftsort hinweisen. Himmel und Erde vereinen sich bei uns im Mai. „Dieser Monat ist der Kuß, den der Himmel giebt der Erde, daß sie jetzo seine Braut, künftig eine Mutter werde" (Logau). „Der Himmel selbst ist tief herabgesunken, daß liebend er der Erde sich vermähle" (Geibel). Die feierliche Einholung des Himmelsgottes in das Haus der Erdgöttin zur Erzeugung der neuen Vegetation ist daher Gegenstand des Festes, das sich in Europa 1) Durch ein Loch im Himmel Regen, — durch ein Loch, das zur Hölle führt, Feuersglut. Ber. r. 48, 8 zu Gn. 18,1, ZA. 32, 57. Im Himmel Versöhnung von Wasser und Feuer, auch im Islam. Sachs 112. 2) Vgl. Apsu (Nöldeke 1022) u. Tiamat. DMG. 76, 94. 3) Vgl. Ps. 104,13. Jupiter hebt das Wasser in Dünsten in die Höhe, sie fallen als Regen oder strömen vom Albordj hernieder Wiesner 2, 39. Vgl. Ps. 135, 7.

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