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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 441

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 441 (sequence 445)
Language
German
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Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. 435 Feststrauß geschüttelt und die Hoschana abgeschlagen wird, soll der Regensturm die Bäume schütteln, daß die Blätter abfallen. Man bezieht die Laubhütte, damit Gott seine Sukka (Psalm 18,12), seinen Wolkenwagen, besteige. Das Schlagen, Gießen, Schofarblasen und Lulabschwingen zur Abwehr der „bösen Tropfen" weisen jedoch eine andere Gedankenrichtung: wie man durch Klopfen Motten aus den Kleidern treibt, werden, nach dem Volksglauben, durch Klopfen und Schlagen böse Geister vertrieben, so durch das Schlagen mit der Hoschana nach jüdischer Überlieferung, wie man auch sonst das Unglück hinauspeitscht (Arch. f. Rel.-Wiss. XIII, 496). Auch das Anklopfen an die Synagogentür gilt den dort hausenden Geistern. Ebenso gehören letzten Grundes in diesen Ideenkreis: das Sieh-klopfen am Jomkippur, die im Osten am Vorabend gebräuchliche Geiselung, sowie der Schofarton nach Neüa, der ausdrücklich am Rosch haschana den Satan, bei Beerdigungen in manchen Gegenden gewisse Dämonen unwirksam machen soll. [Das Gleiche bezwecken ursprünglich Läuten und Räuchern (Ton und Duft in Harmonie, zugleich ein Beitrag zum Kapitel „Rythmus und Arbeit": Kerith. 6a „hodeq heteb."). Glöckchen trug der Hohepriester am Saum seines Mantels, über Schellen an den Kinderwiegen s. Sabb. 59b u. s. (vgl. auch Carl Meyer, D. Abergl. d.MA.s 185; Beschwörung eines Steines — Creuzer, Symb. II, 775 — sowie eines Toten bei Nachmanides, vgl. Finkelscherer, Maim.'s SteUg. z. Abergl. 88 ■-- mittels einer Glocke). Auch durch Steine, z. B. auf Gräber geworfen (vgl. Arch. f. Rel.-W. XV, 148), sowie durch Urin, so bei den Persern (vgl. oben „Aus Hausapoth." III, 114 u. s.), werden Dämonen verscheucht.] Demselben Zwecke diente das Tanzen, wie bereits im alten Ägypten (Z. d. V. f. rhein. u. westf. Volksk. 1912, S. 179), so der Tanz vor der Braut mit Myrten in den Händen (Kethubb. 17 a), und dient noch heute das Begießen der Hände mit Wasser sogleich nach dem Erwachen der Anschauung gemäß, daß auf ungewaschenem Leibe Dämonen nisten (Wasser widersteht allem Zauber: Wuttke, somit auch nicht „majjim chajjim". Daher auch wohl im Sufckoth- Feststrauß nicht der Ölzweig u. a., sondern vom Regen besonders abhängige Pflanzen. 28*

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