Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 440)
- Language
- German
- Belongs to
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430 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. in denen es gefeiert wird. Mit ihrem Bau beginnt man am Ausgange des Versöhnungstages. Sie müssen unter freiem Himmel stehen und mit Tannenreisig so schütter bedeckt werden, daß man des Nachts durch das Dach die Sterne sehen kann. In der Laubhütte werden Bilder von Berühmtheiten1) aus dem jüdischen Altertum aufgehängt, die man damit zu Gaste (uschpisin von hospes) lädt. Die Laubhütten sollen, nach der Tora, an die Hütten erinnern, in denen Gott sein Volk auf der Wüstenwanderung vor der sengenden Sonnenglut geschützt hat, und die, nach der Überlieferung, aus Wolken gebildet wurden. Beim Verlassen der Laubhütte am Schlußfest spricht man die Bitte aus, übers Jahr sitzen zu dürfen „in der Sukka, gefertigt aus der Haut des Livjathan." Im Tempel zu Jerusalem wurden während des Festes im ganzen siebzig Stiere geopfert. Mit geflochtenen Bachweiden (Hoschanoth) wird noch heute am siebenten Tage des Festes so lange auf den Boden geschlagen, bis sie entblättert sind. Die Stile werden als Schutzmittel vor Ungeziefer in den Wäscheschrank gelegt, mitunter auch als Talisman im Tefillinbeutel aufbewahrt. Vor Pessach verbrennt man sie zusammen mit dem Chamec. Hier und da werden sie, mit 7 unversehrten Zweigen umwunden, am Hoschana rabba bei dem Rest der Jomkippur-Kerze in der Sukka an Eisen abgeschlagen2). Wenn die Brautschau, die gewöhnlich in die Mittelfeiertage des Sukkoth fällt, zur Verlobung führt, pflegt in manchen Gegenden die Braut dem Bräutigam eine um eine Hoschana gewickelte Uhrkette zu schenken. Der Feststrauß, der von der Thora für Sukkoth vorgeschrieben wird, besteht aus einem Palmwedel, mit Bastringen zusammengehalten, deren oberster am 7. Tage des Festes abschützt vor Dämonen, insbes. Schlangenhaut, Haut des Seehundes. Sei. 1,143. 2,131 (Aegis ein Fell 1. c. 1,140). Plinius h. n. 2, 55: gegen Blitzgefahr „tabernacula ex pellibus beluarum, quas vitulos appellant." Sollte dieses v-t-l-s mit 1-v-j-th (Livjathan) zusammenzustellen sein? (S. unten.) 1) Die 3 Stammväter Mose, Ahron, David u. Salomo (Zohar Emor), vgl. Schwakz 339 u. den Pfingstkönig in der Laubhütte, s. unten. 2) Mit den Jomkippurkerzen verbrannt in Mattersdorf (frdl. Mitt. d. Hn. J. M.. Gelles).