Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 438)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. genommen und teilweise der Tendenz der offiziellen Religion angepaßt worden. Die Erkenntnis der Naturwüchsigkeit sol- .. eine Verpfändung der Völkerschaften für einander." „Wie hoch und rein auch ihrem Inhalte nach die Religiosität der alten hebräischen Propheten ist, . . das eigentliche Wesen des mythischen Denkens, daß es den Gegenstand nicht im Begriff und in Abstraktionen erfaßt, sondern in Anschauungen aus dem Kreise der irdischen Natur und dem Leben und Verkehr der Menschen, das bleibt bestehen. Man merkt es dem Propheten klar genug an, wie sehr er ringt, für die Darstellung seines unendlichen Gottes alle Banden und Schranken der sinnlichen Natur zu durchbrechen, und dieses Streben macht ihn zum größten, zum erhabensten Dichter." Nicht mit Unrecht betont Wilke (Die astral-mythologische Weltanschauung u. d. A. T. 45ff): „Den für das Astralsystem charakteristischen Mythen ist die Religion Israels auf allen Stufen ihrer Entwicklung bitter feind gewesen." „Israel hat demgegenüber das Verdienst, die Menschheit von jenem Banne befreit und ihr den persönlichen Gott gebracht zu haben." Unleugbar bleibt indessen (vgl.A. Jeremias, Der Einfluß Babyloniens auf das Verständnis d. A. T., 23ff.) die Einwirkung des Alten Orients auf die Symbolik des Kultus, den Kunststil, die wissenschaftliche Weltbetrachtung bei den alten Hebräern, vor allem die Volksreligion, deren Macht sich bis heute im Volksglauben auswirkt, naturgemäß mitunter in Formen, daß für eine gewisse Prüderie die Erinnerung am Platze ist: Honny soit qui mal y pense. Jeremias selbst gibt zu (1. c. 32): „In Babylonien, in Ägypten, in Arabien dürsteten die Alten nach Gott, nach dem lebendigen Gott. In der Bibel des A. T. quillt das Wasser des Lebens". Auch Gunkel sagt: „Charakteristisch für die alttestamentliche Religion in ihrer klassischen Ausprägung ist der Monotheismus und die Scheu vor dem Mythischen." Mythische Anklänge in den jüdischen Religionsurkunden sind somit nicht als Eierschalen einer überwundenen Entwicklungsperiode der eigenen Religion anzusehen, sondern, um mit Harnack zu reden, als „Arabesken", als Metaphern, die auf kulturgeschichtliche Beziehungen Israels zu anderen Völkern oder vormonotheistische religiöse Verhältnisse des eigenen Volkes zurückweisen, wenn nicht anders das Volkwerden Israels erst mit dem Bekenntnis zum Monotheismus zu datieren ist. Im Mythos läuft das Geistige dem Natürlichen parallel. Der Gott Israels ragt aber so weit über die Natur hinaus, daß das Judentum als solches von Haus aus aus dem Rahmen der vergleichenden Religionswissenschaft fällt. So sagt auch Ed. König, Der Mondgott bei den Hebräern (ZDMG. 1915, S. 287): „Es müßte also, wenn .. ein genetischer Zusammenhang zwischen Moses JHV-Gedanken und dem Kultus der Keniter und Minäer angenommen werden sollte, hier wieder einmal jener geradezu wunderbare Aufflug des religiösen Denkens aus der Religion der Natur in die des Geistes, jene