Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 433 (sequence 437)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2638044-2638083-2638084--2421-2639795- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals und verwandter Kultformen.4) Von M. Grunwald. Wer die Versuche, religiöse Sitten und Bräuehe auf ihren Ursprung zurückzuführen, aus der Ferne betrachtet, wird sich dem Urteil J. J. Rousseaus (Reponse au Roi de Pologne) zuneigen: „Mais qui pourroit voir sans rire toutes les peines que se donnent aujourd'hui nossavons poureclaircirlesreveries de la mythologie". Wer aber in die Arbeit selbst eintritt, wird einem Zauber sich gefangen geben, der von diesen Studien ausgeht und der sich daraus erklärt, daß Vorstellungen und Bräuche der Volksreligion oft durch Raum und Zeit weit auseinanderliegender Menschengruppen denselben Grundanschauungen und primitiven Empfindungen entsprungen sind. Auf keinem zweiten Gebiete der Forschung tritt so deutlich, wie in der vergleichenden Volkskunde und Religionswissenschaft, die Tatsache weitreichender geistiger Zusammenhänge innerhalb der Menschheit zutage. Wo wir es, wie beim Judentum, mit einer Offenbarungsreligion zu tun haben, wird man zweierlei im Auge behalten müssen2). Manches ist aus einer älteren Volksreligion herüber- 1) Erklärung der Abkürzungen s. unten unter „Ergänzungen". 2) Steinthal (Mythos undReligion, S.5) sagt: „Es ist vorzugsweise die Sprachwissenschaft und die Mythologie, welche .. uns den Einblick in den Geist der ursprünglichen Menschengeschlechter eröffnet haben. Dieser von der Wissenschaft bewirkte Zusammenschluß des Beginnes mit dem endlichen Heute .. zeigt uns eine das Gemüt unfehlbar ergreifende, erhebende und erweiternde Einheit des Menschengeschlechts,