Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 433)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, Berufe der Juden. 423 auf das dieses Wort bis heute zutrifft, ohne Regen bleiben. In dieser Vision Secharjas erkennen wir die „Feier des Wasserschöpfens" am Laubhüttenfeste in Jerusalem, an dem für die siebzig Völkergruppen, aus denen man sich die Menschheit zusammengesetzt dachte, siebzig Farren dargebracht wurden (Mischna Sukka 5, 6). Bei dieser Feier gab es (1. c. 5, 3) in ganz Jerusalem nicht einen Hof, der nicht hell erleuchtet1), in dem nicht, mit Secharja zu reden, „Tag und Nacht gleich" gemacht worden wären2). Ein Fackeltanz wurde aufgeführt. Das Volk verneigte sich nach Westen, dem Meere zu (5, 4). An jedem Tage des Festes wurde Wasser auf den Altar gegossen3). Der Altar selbst wurde mit Bachweiden bekränzt und wie ein lebendes Wesen angesprochen mit Formeln, wie: „jofi" dir Altar! Zu diesem „jofi"4), wörtlich „Schönheit", in der Anrede an einen Stein findet sich bei demselben Propheten Secharja (4, 7) eine Parallele. Der Grundstein des neu zu erbauenden Jerusalem wird begrüßt werden mit dem Rufe „chen chen"5), was dem „jofi" entspräche. Das Aufgießen des Wassers auf den Altar, so daß es von diesem hinabfließt, erinnert an das oben erwähnte Opfer Elias auf dem Karmel. Elia zieht um den Altar einen Graben und läßt das Volk Wasser auf den Altar gießen, bis der Graben gefüllt war. Auch Elia bringt dieses Opfer dar zu einer Zeit des Regenmangels, und im Anschlüsse hieran fleht 1) Die Wasserweihe der griech.-kath. Kirche am Feste Epiphanias findet an einem Flusse statt. Unter den ersten christl. Kaisern wurden in der Nacht vor Ostern die Straßen mit Fackeln urid riesigen Wachskerzen taghell erleuchtet. 2) Vgl. die Bezeichnung „jom merubba". In christlichen Kreisen nennt man den Jomkippur den „langen Tag der Juden". 3) Maschinen, die am Hüttenfeste Wasser in die Höhe spritzen, in den Synagogen Jerusalems: FüRST's „Orient" 1840 Nr. 4. 4) Vgl. Blau 131. — Der Altar als Gattin des Himmelsmenschen im Zohar chadasch, der Opferkultus ein Vermählungsakt: Rubin, Agada 50. 5) Vgl. eben chen Spr. 17, s Stein mit magischer Kraft. Die Kabbalisten lösten bekanntlich chen auf in chokma nistara (Geheimwissenschaft). Der Stein, der dunkel wird, wenn ihn ein Falscher in die Hand nimmt: Creuzer II, 575. Ein Stein taucht empor, wenn die Glocke ertönt (1. c. 775), Wasser in St.: Bergmann, Leg. 69,105.