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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 427

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 427 (sequence 431)
Language
German
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Grunwald, Berufe der Juden. 421 die Sitte des siebenten Tages, welchen wir feiern, verbreitet hätte und wo nicht die Fasten, Lichterfeste und viele unserer Speisegesetze beobachtet würden"» Selbst heidnische Gelehrte pflegten ihre Vorträge am Sabbat zu halten, und als Kaiser Tiberius bei seinem Aufenthalte auf Rhodus den Grammatiker Diogenes hören wollte, mußte er, wie Sueton berichtet, bis zum Sabbat warten. Daß Benjamin von Tudela auf Cypern eine jüdische Sekte fand, die in der Sabbatheiligung von den Rabbaniten und den Karäern abwich, und was wir von den Fallascha, von den jüdischen Stämmen Arabiens, von den Spuren jüdischer Religionsbräuche bei den Berbern wissen und aus den Berichten Eldad ha-danis und anderer mehr oder minder glaubwürdiger Reisender alter und neuerer Zeit erfahren, alles bestätigt, was schon der Prophet Obadja (I, 20) hervorhebt: bis nach Tarschisch kannte man den Namen des Gottes, den Israel verehrte. Und es darf erwähnt werden, daß gerade der Name „Obadja" sich inschriftlich auf der Trümmerstätte des einstigen Karthago gefunden hat. Daß ein Teil der jüdischen Diaspora unter den Phöniziern zu suchen war, sagt schon der Talmud (Jer. Sanh. XI, 6). Daß sie unter ihnen nicht untergegangen, in ihnen nicht aufgegangen sind, ist umso verwunderlicher, als sie mit ihnen nicht allein die Sprache und Kultur, sondern viele Bestandteile des Kultus gemeinsam hatten. Wenn wir die phönizischen, insbesondere die punischen Opfertarife, die Inschriften auf Tempelspenden und Grabmälern lesen, so glauben wir nicht nur Zitate aus dem Pentateuch, sondern aus einem Maskirbuch oder einer jüdischen Grabschrift aus neuester Zeit vor uns zu haben. Wir lesen da die wohlbekannten Wendungen: sch'ma qoli „höre meine Stimme", baruk atta „gelobt seist du", das biblische cemach cedeq und schoresch Pmatah (Jesaja 37, 31), ferner die Benedictionen: l'zeker 'olam, titen lo chen l'ene 'elonim ubh'ne 'adam.., tannichehu uthchajjehu wethaarikh jamaw usch'nataw.., w'zar'o b'chajjim tachath ha-schemesch.. oder die Verwünschung tikhroth eth ha-adam hu w'zar'o und die Formel: to'abhath 'Asehtoreth ha-dabar hu. In über tausend Widmungsinschriften in Karthago lesen wir das aus dem jüdischen Ritus so bekannte

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