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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 426

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 426 (sequence 430)
Language
German
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420 Grunwald, Berufe der Juden. zu geraten, deren Menschenmaterial das Hauptreservoir für ihre Schiffsbemannung und Truppenmacht bildete. Hierin ist wohl auch der Grund dafür zu suchen, daß Hiram das Geschenk ablehnte, das ihm Salomo in Gestalt einer Gebietsabtretung benachbarten, dem Stamme Naftali gehörenden Hebräergebietes machen wollte. Er wollte es sich mit diesen Nachbarn nicht verderben. Im übrigen kam es ihnen bei ihren Handelsfahrten zu Wasser und zu Lande nur zugute, daß sie allenthalben Hebräer antrafen (vgl. oben), die dorthin ausgewandert, verschleppt oder als Sklaven verkauft worden waren, und die jedenfalls nicht als Vertreter einer Macht mit eigenen politischen, insbesondere handelspolitischen Aspirationen auftraten. (Über S'fath Kna'an Jes. 19,18: ZAW. 34,229.) Jedenfalls war die Zerstreuung Israels nicht erst das Ergebnis der staatlichen Katastrophe. Zur Perserzeit heißt es: dieses Volk ist zerstreut und zerbröckelt unter die Völker, und den Beweis hierfür liefern nicht allein die geschichtlichen Berichte der Bibel, die Reden der Propheten und die Keilinschriften, sondern in neuester Zeit die Entdeckung jüdischer Kolonisten in Elephantine. Um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts stellt die jüdische Sibylle fest, „daß jedes Land und jedes Meer von dem jüdischen Volke erfüllt sei". Wie in Ägypten, besonders in Alexandrien, finden wir eine starke jüdische Siedelung in Cyrene, und Strabo sagt von den Juden: „Man findet sie jetzt in jeder Stadt verbreitet und nicht leicht kann man einen Ort finden, der dieses Volk nicht beherbergte." Und an einer anderen Stelle sagt er: „Die jüdische Nation hat sich über die ganze Erde hin unter die Eingeborenen zerstreut"1). Als Agrippa IL sein Volk vom Kriege gegen die Römer abhalten wollte, wies er auch auf die Folgen hin, die dieses Unternehmen für die Juden in anderen Ländern zeitigen könne. „Denn es gibt," so sagt er, „kein Volk auf Erden, unter dem nicht ein Teil eurer Stammesbrüder lebte". Es ist keine Übertreibung, wenn der jüdische Philosoph Philo sagt: „Es gibt keine einzige griechische oder nichtgriechische Stadt, kein einziges Volk, wohin sich nicht 1) Spätestens im 8. Jahrh. v. Chr. im Kaukasus: Arch. f. Rel.-W. XIII, 520, vgl. ZAW. 26, 44.

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