Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 425 (sequence 429)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Berufe der Juden. 419 Ithaka spiegelt sich ein entscheidender Wandel wieder, der sich seit dem Erstarken des griechischen Elementes im Welthandel vollzog. Die Phönizier wurden von den Griechen aus dem östlichen Becken des Mittelmeers verdrängt und auf das westliche beschränkt, das fortan den Namen „tyrische Meere" annimmt, und das die Phönizier u. a. durch Aussprengung der bekannten „phönizischen Schauermärchen" den Konkurrenten zu sperren versuchten. Der Römer war es, der alsdann durch die Vernichtung der Macht Karthagos auch in diesen Gewässern die Oberhand gewann. Das phönizische Element verschwindet. Ein anderes tritt an seine Stelle als sein Nachfolger in den Vordergrund: derjüdische Händler. Das weitausgebreitete Netz der phönizischen Kolonialmacht, das sich im Norden bis nach Britannien, im Westen bis weit über die Meerenge von Gibraltar an der Küste Afrikas nach Süden ausdehnt, im Osten bis in das Kaspische Meer und darüber hinaus sowie bis nach Ceylon reicht, wird nach dem Zurücktreten der Phönizier in allen seinen Stützpunkten und Fäden erhalten durch jüdische Kolonisten, die schon die Übervölkerung Palästinas in die Ferne treiben mußte. Die dünne Oberschicht der phönizischen Kaufherren konnte, wie später Karthago, ihre gewaltige, welterobernde Leistung nur vollbringen, indem sie aus dem Hinterlande Matrosen und Söldner rekrutierte. Zu diesen stellten die hebräischen Stämme das Hauptkontingent. Nicht nur darum, weil sie räumlich als Nachbarn den Phöniziern am nächsten standen, sondern nicht minder deshalb, weil ihnen Sprache und Kultur gemeinsam waren. Die „Sprache Kanaans", so wird in der Bibel selbst das Hebräische bezeichnet, war durch den phönizischen Welthandel eine Weltsprache geworden. Den an der Meeresküste wohnenden und Seehandel treibenden Israelitenstämmen waren die Spuren ihrer merkantilen Entfaltung durch die Handelsrouten der Phönizier vorgezeichnet. Naturgemäß lenkten sie ihre Schiffe dorthin, wo man ihre Sprache redete. Das Verhältnis zu den Phöniziern war ein friedliches und freundnachbarliches, weil auch diesen daran gelegen war, in Männern ihrer Sprache Mitarbeiter zu finden, und weil sie darauf bedacht sein mußten, in keinen Gegensatz zu denen 27*