Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 417 (sequence 421)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Homer 1× ep/1025156
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G.runwald, Berufe der Juden. 411 Minister in Spanien brieflich mit dem jüdischen Könige der Chasaren im südlichen Rußland verkehrt und Juden als Gesandte zwischen einem Böhmenherzoge und Kordova, zwischen Karl d. Gr. und Harun al-Raschid Verbindungen herstellen, wenn später im Zeitalter der Entdeckungen Juden eine so beachtenswerte Rolle spielen, so werden diese Erscheinungen dadurch erklärlich, daß sich seit längster Zeit über die ganze bekannte Welt ein Netz jüdischer Kolonien verbreitet und der Jude, außer dem Landbau und Handwerk, sich auch dem Handel zuzuwenden begonnen hatte. Wie hat sich diese Wandlung vollzogen? Von allem Anfang an bezogen die Israeliten Waren aus dem Ausland. Sie taten es nicht, wie die Philister und andere Nachbarstämme, auf dem Wege des Raubes, ein Verfahren, dessen Charakter, wie L. Brentano nachweist, die Kriege bis in die Neuzeit trugen. Der Israelit erwarb und setzte andrerseits seine Erzeugnisse ab auf dem Wege des Kaufes und Verkaufes. Tauschhandel, wie er in Verträgen aus der Zeit Salomos und der Esras vorliegt, bildet eine Ausnahme. Während noch Homer nur diese Form des Handels kennt, zahlt der Hebräer, wie Abraham beim Kauf der Höhle Machpela, in barer, beim Kaufmann gangbarer Münze (1 Mose 23,16, vgl. 17,12, 27). Bald sind es Bodenprodukte, bald, wie im Lied vom Biederweibe in den Sprüchen Salomos (31, 24), Erzeugnisse weiblicher Handfertigkeit, die an den im Lande umherziehenden fremdländischen, meist phönizischen Hausierer veräußert werden. Sicherlich half der Erlös aus diesem Handel über das Brachjahr hinweg, in dem der israelitische Bauer keinen Ertrag aus seinem Boden ziehen durfte. Doch warnen die Propheten vor Betrug im Kornhandel (Arnos 8, 5, Mika 6, io), die Sprüche Salomo's (11, 26) vor Kornwucher, überhaupt vor Unredlichkeit im Geschäfte (11, 1, vgl. 16,11; 20,10, 23; 28,20) und vor Habgier jeder Art (23, 4, 5; 28, 22). Dicht vor Augen stand das Beispiel der fremden Händler, insbesondere der Phönizier, die auch sonst die Moral ungünstig beeinflußten K'ai-feng fu und selbst nach Peking vor. Im 12. Jahrh. (1. Hälfte) führte sie der Baumwollhandel zur See nach Nordchina (Laufer).