Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 412)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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402 Grunwald, Berufe der Juden. Als Maurer finden wir Juden unter Nehemia, in Spanien und in neuerer Zeit besonders in Algier, als Baumeister in Spanien, um 1100 in Böhmen, wo der Jude Podiwa die nach ihm benannte Burg Podiwia gebaut haben soll, als Steinmetzen allenthalben, und zwar zunächst im Anfertigen von Grabsteinen als sog. Mag<jeiwe-Kritzer, einer Kunst, die sich aus der bei den Juden zu hoher Blüte gelangten Kalligraphie entwickelt hat, von wo freilich noch ein weiter Weg zu einem Mark Antokolski, dem größten Bildhauer Rußlands, und den zahlreichen jüdischen Bildhauern der Gegenwart führt. Auch daran sei erinnert, daß ein jüdischer Steinmetz in Jerusalem, Moritz Schnitzer — auch dieser Familienname weist auf ererbte Kunstbetätigung hin — den Grundstein für den Gemeindetempel im Wiener IL Bezirk, sowie den für die Wiener Votivkirche geliefert hat. (S. unsere Abbildungen.) Am bekanntesten sind die jüdischen Diamantschleifer, Steinschneider und Graveure in Amsterdam und Antwerpen, die ihre Kunstmysterien aus der palästinensischen Heimat nach Alexandrien und von dort über Spanien nach dem Norden mitgebracht haben. Wir finden sie als Hofgraveure und königliche Juweliere an den verschiedensten Höfen des Westens wie des Ostens. In Konstantinopel wird dieses Gewerbe ausschließlich von Juden gepflegt. Zimmerleute waren die Juden besonders in Spanien, Töpfer in Italien. Prächtige Fayenceteller der Renaissance, Sederschüsseln, von Juden hergestellt, weist u. a. das jüdische Museum in Wien auf. Diese Kunst war in der alten Familie Azulai erblich. Als Schuster, Schneider, Kürschner, Tuchmacher und Posamentierer treffen wir die Juden zu den verschiedensten Zeiten und an den verschiedensten Orten an. Ein König von Spanien ließ eines Tages drei Juden von der Straße zu sich rufen; einer von ihnen war Schneider, der andere Schuster und der dritte Weber. Auf drei Gebieten sind aber die Juden geradezu die Lehrmeister der Welt geworden, in der Seidenweberei, der Färberei und der Kunstglaserzeugung. Die Teppichweberei brachten sie nach Kleinasien, besonders nach Smyrna. Die kostbaren purpurnen Seidengewänder der Byzantiner