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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 407

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 407 (sequence 411)
Language
German
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Grunwald, Berufe der Juden. 401 Diaspora, sodann noch z. B. in Palermo, in neuerer Zeit in Polen, in Algier, Tripolis, in dessen Nähe ein Dorf nur aus jüdischen Schmieden und Webern bestand, in der Berberei, Äthiopien, in Südarabien, in Bagdad und Persien, gegenwärtig überall, angetroffen. In Wien starb vor nicht langer Zeit ein Jude Podwinez als Obmann des Verbandes der Schlossermeister. Jüdische Kupferschmiede und Zinngießer, denen u. a. die nach einem eigenen Kunststil hergestellten Sabbatlampen und -leuchter ihre Entstehung verdanken, arbeiteten in Polen und Galizien. Von dort aus kamen sie nach Skandinavien. Es sei auch erwähnt, daß in England ein Jude ein Verfahren der Kupferlegierung und Vitriolbereitung eingeführt hat. Die Handwerke der Blechschmiede, Klempner, Dachdecker liegen in Litauen und Rumänien vielfach in jüdischen Händen. Die gefährlichsten Arbeiten an Kirchendächern u. dgl. werden ihnen anvertraut. Jüdische Gold- und Silberschmiede erwarben sieh einen Ruf in Nordafrika, in der Sahara, im Jemen, in Prag, Italien, Südfrankreich, Novarra, Paris usw. Trevoux ist durch solche jüdische Künstler berühmt und reich geworden. In Sevilla gab es im Judenviertel eine Plateria, d. h. Goldschmiedegasse. Sogar in Nürnberg begegnet uns 1490 ein jüdischer Goldschmied. Aus Galizien, wo überhaupt, wie in Arabien, nach einem Ausspruch Smolkas, des ehemaligen Präsidenten des österreichischen Reichsrates, noch um die Wende des 18. Jahrhunderts nahezu das gesamte Handwerk in jüdischen Händen lag, kamen die Erzeugnisse jüdischer Goldschmiede selbst bis nach Italien, auf die Märkte von Livorno und Alessandria. In Bukarest war wiederholt ein Jude Obermeister der Silberschmiede. Das Gemeindebuch der Portugiesen in Hamburg meldet aus dem 17. Jahrhundert von einem jüdischen Goldschmied, der, aus Italien stammend, aus Brasilien über Hamburg nach Polen reiste. Darauf, daß auch die Goldschmiedekunst von altersher in einer Levitenfamilie nach geheimgehaltenen Kunsttraditionen geübt wurde, deuten der Levitenname Hadorfi (Goldschmied) und die Tatsache hin, daß noch heute die Träger des Namens „Goldschmied" sämtlich Leviten sind. (Vgl. uns. „Mitt." 9 u. 15.) Granwald, Jahrb. f. jüd. Volkak. I. 26

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