Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 413)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2638044-2638083-2638084--2397-2639771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Grunwald, Berufe der Juden. 403 waren zumeist jüdische Arbeit. Aus dem Osten, vor allem aus Griechenland, verpflanzten Roger II. von Sizilien und Kaiser Friedrich II. jüdische Färber und Kunstweber nach dem Westen. Ebenso kam zur Zeit der Kreuzzüge die Kunstglaserzeugung, die in Tyrus von Juden gepflegt wurde, von dort nach Venedig. Daneben sei darauf hingewiesen, daß die Weberei schon unter Titus durch einen Juden nach Spanien verpflanzt wurde, daß die Juden in der Buchara, die in der bulgarischen Ortschaft Dubnicza, sowie in einigen Städten Galiziens die Weberei massenhaft betreiben und daß die jüdischen Talithweber in Wilna eine eigene Zunft bilden. Auch in der Spinnerei übernahmen die Juden eine führende Rolle. Diese ausgesprochene Vorliebe der Juden für das Handwerk — besonders dort, wo sie die Landesgesetze vom Betrieb des Landbaues ausschlössen — die in den letzten1 Jahri zehnten, sobald die Möglichkeit dazu geboten war, durch Vereine zur Hebung des Handwerkes unter den Juden mit bestem Erfolge gepflegt wird, spiegelt sich in zahlreichen Aussprüchen des jüdischen Schrifttums wieder. Der Psalmist singt: „Nährst du dich von deiner Hände Arbeit, heil dir, dir ist wohl". „Süß ist der Schlaf des Arbeiters", sagt Koheleth. „Liebe die Arbeit und hasse das Meisterspielenwollen," so mahnen die Sprüche der Väter. Ja, noch weiter geht der Talmud, wenn er erklärt: „Wer seinen Sohn kein Handwerk lernen läßt, erzieht ihn gleichsam zum Räuber". Tatsächlich waren die Weisen des Talmuds zum großen Teil Handwerker. Noch der große Maimonides im 12. Jahrhundert schreibt an seinen Schüler Ibn Aknin, als dieser in Bagdad ein Lehrhaus errichten will: „Eine Drachme als Weber, Schneider oder Zimmermann verdient, ist angenehmer, als reicher Gewinn durch ein Lehrdiplom vom Exilarchen". So ausgesprochen der Sinn des alten Hebräers auf seßhafte produktive Arbeit, auf Ackerbau und Handwerk gerichtet war, so ausgeprägt war sein Widerwille gegen den Beruf des Händlers1). Das unstete, oft jahrelange Umher- 1) Aus dem unsteten Schicksal der Juden folgert Isak Abarbanel die Notwendigkeit, sieh dem Handel zuzuwenden, vgl. Fkiedmann, 26»