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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 403

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 403 (sequence 407)
Language
German
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Grunwald, Berufe der Juden. 397 zu einem blühenden Garten geworden. Noch heute staunt man über die zähe Kunst, die an den abschüssigsten Hängen den felsigen Boden Judäas zu ertragreichem Humus abzuwirtschaften wußte. In Galiläa vollends war jedes Fleckchen Erde ausgenützt. Es war mit Städten und Dörfern, deren Josephus 204 zählt, förmlich übersät. Das geringste Dorf zählte über 15000 Einwohner. Merkwürdig bleibt insbesondere, daß die Feste und Gebete des altisraelitischen Bauern, die doch Zug um Zug mit der Scholle zusammenhängen, die er bebaute, zum großen Teil noch heute das Ritual des Juden bilden. In seinem Glaubensbekenntnis, dem Schema Israel, dem 5. Buche Mose entnommen, erblickt der Jude noch heute, obwohl zum weitaus überwiegenden Teil der Landwirtschaft entfremdet und seit Jahrtausenden von seinem Heimatlande getrennt, den Segen Gottes in fruchtbringendem Regen, Gottes Strafe in Mißernte. In seinem täglichen Hauptgebete fleht er um Ertrag des Bodens. Er feiert die alten Erntefeste, und zwar, soweit heute möglich, noch in alter Form, z B. das Laubhüttenfest mit dem Feststrauß aus Pflanzen, die in Palästina heimisch sind. Er betet noch heute an dem Klima der alten Heimat angemessenen Zeiten, wie ein echter Landmann, um Tau und Regen, so daß Disraeli einmal sagte: „Ein Volk, das in seinen Gebeten noch so innig an seinem Lande hängt, ist gewiß berufen, es noch einmal zu besitzen". Auch in talmudischer Zeit werden jüdische Grundbesitzer in Palästina erwähnt, wie der Patriarch Gamliel von Jabne. Ebenso betrieben die Juden in Babylonien zumeist Landbau. Bei der Festsetzung der Ferien in den Talmudhochschulen, unter denen die zu Sura und Pumbaditha die bedeutendsten waren, wurde ausdrücklich darauf Rücksicht genommen, daß Lehrern und Schülern zur Feldarbeit Zeit gelassen werde (Jeb. 63a). Rab Huna, Schulhaupt zu Sura, mit dem Exilsfürsten verwandt, bestellte seinen kleinen Acker selbst, und R. Josef bar Ghija, Schulhaupt zu Pumbaditha, besaß Äcker, Palmbäume und Weingärten. Man sagte in jenen Kreisen: „Wer keinen Acker hat, ist kein Mensch". Noch in weit späterer Zeit galten die Juden Babyloniens und Persiens als vorzügliche Landwirte und Gärtner. Auch sonst finden wir sie im

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