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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 402

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 402 (sequence 406)
Language
German
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396 Grunwald, Berufe der Juden. zulässig wäre, daß darum, weil die katholischen Kleriker als Hirten bezeichnet werden, die Katholiken Nomaden sein müssen. Durchaus agrarisch muten uns die meisten der Bilder und Gleichnisse der Bibel an. Im Segen Jakobs wird auf den Überfluß an Wein angespielt, den man zum Waschen verwendet1), wie gelegentlich einmal im deutschen Reichstage ein bekannter Abgeordneter aus den Rheinlanden, um den Weinreichtum seiner Heimat zu kennzeichnen, erklärte, er gebrauche das Jahr lang kein Wasser. Auf den Zwischenruf „und zum Mundspülen?" erwiderte er schlagfertig: „Dazu dient mir ein leichter Mosel". Und wenn noch im Segen Jakobs Milch erwähnt wird, um die Weiße der Zähne anschaulich zu schildern, so ist im Segen Moses und ebenso bei den Propheten Hosea, Joel und Arnos mit keinem Worte von Viehzucht die Rede, obwohl doch Arnos selbst ein Hirte war. Die Zehnten sind Abgaben vom Erträgnis des Bodens. Im Prediger Salomos wird Kap. 5, Vers 8 es als Vorteil des Landes gepriesen, daß der König über bebautes Feld herrsche. Das ganze Buch Ruth bildet ein ländliches Jdyll: Boas mit den Schnittern auf dem Felde, Ruth beim Sammeln der herabgefallenen Ähren, die nach dem Gebot der Thora den Armen verbleiben sollen. Saul und Elischa werden, wie Fabius Cunctator, vom Pfluge zu hohem Amte berufen. Das Überhandnehmen des Großgrundbesitzes bildet eine Zielscheibe für die Strafreden der Propheten. Das Lebensideal des Hebräers ist ein durchaus bäuerliches. Er will nach getaner Arbeit in Frieden sitzen, ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum. Und diesem Ideal entsprechend war Palästina durch den erstaunlichen Fleiß seiner Bewohner 1) Über „schiloh" und den „gebundenen Silen" s. Creuzer II" 208, 226, den Weinesel und redenden Esel 1. c. 483 (ch-m-r „Wein" und „Esel"). (Namensgleichheit wie im Magyarischen zwischen Klee und Hode Here: Hovorka-Kronfeld 517 [Bärmutter, I.e. 540 und Bärlapp 523 u. s.]) Wenn Silen weissagen soll, muß er gefesselt werden, womit man 1 Mose 49, n in Verbindung bringen wollte. Daß bei den Falascha der Messias als Nachkomme Judas gilt: Aren. f. R.-W. XIII, 107. Im Gegensatze zum Roß gilt der Esel als Symbol des Friedens: Sech. 9, s. Der Esel bei Abraham, Mose und dem Messias: Raschi Ex. 4,20; Epstein, Qadm. 33, Rubin, Teh. ha-kesilim 44.

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