Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 404 (sequence 408)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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398 Grunwald, Berufe der Juden. Osten, so in Kleinasien, besonders aber in Ägypten, als Grundeigentümer, Pächter oder landwirtschaftliche Taglöhner, in Arabien noch zur Zeit Mohammeds als Ackerbauer und Viehzüchter, Die jüdischen Bauern in Persien, von denen im 12. Jahrhundert der jüdische Weltreisende Benjamin von Tudela berichtet, sollen Nachkommen der Stämme Dan, Sebulon, Ascher und Naftali gewesen sein, die Salmanassar dort angesiedelt habe. Auch der andere bekannte jüdische Reisende Petachja aus Regensburg traf in Mossul jüdische Acker- und Weinbergbesitzer an. Wie die Juden in Abessinien, die sog. Falascha, beschäftigen sich auch die in China, und zwar in Kai-fung fu, wo sich ihre im Jahre 1163 errichtete Synagoge befindet, noch heute mit Ackerbau. DasJ gleiche Bild bietet uns anfangs der Westen. Für die Inseln Malorca und Minorca, für das Festland Italiens noch unter den Langobarden sowie die Inseln Sizilien und Faleria und in der Berberei unter Justinian liegen über jüdische Ackerbauer ganz bestimmte Nachrichten vor. Im Westgotenreich waren sie durch Landbau in einem Maße an die Scholle gefesselt, das ihnen die Auswanderung erschwerte, als judenfeindliche Maßnahmen der Landesherren sie vor die Wahl stellten, zum Christentum überzutreten oder das Land zu verlassen. Daher dort Übertritte zum Christentum, eine sonst in jener Zeit höchst seltene Erscheinung. Auch in Gallien, besonders in Narbonne und Vienne, erscheinen Juden noch unter den Karolingern als Landwirte. In Deutschland hingegen hatte bis an die Grenze der neuesten Zeit nie ein Jude als Eigentümer eine Hufe Landes inne. Das kirchenrechtliche Verbot, das dem Juden untersagte, als Meier über christliches Gesinde Gewalt zu üben, wurde auf deutschem Boden streng durchgeführt. Nur in der Form von Pachtung oder auf den Namen eines Christen konnten sie agrarisch nutzbaren Grundbesitz von Klöstern, als der Grundherrschaft, erwerben und vererben. Wir hören von einem solchen jüdischen Grundbesitzer in Regensburg, ferner aus der Zeit der Kreuzzüge von drei Mainzer Juden, die bei der Weinlese von Kreuzfahrern erschlagen wurden. Doch tritt in der früheren deutschen Kaiserzeit der Jude, und zwar der ausländische Jude, hauptsächlich