Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 402)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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392 Grunwald, Jüdische Mystik. der Spitze nach unten) und des Feuers (nach oben strebend). Als spezifisch jüdisches Symbol kam dieses ganz international1) gebrauchte Zeichen erst durch den oben erwähnten Isak Luria in Aufnahme. Er erblickt darin das Bild des Adam Kadmon, wobei die 6 Dreiecke samt dem Sechseck in der Mitte die unteren Sphären darstellen, während die obersten 3 darüber zu denken sind. Diese lassen sich aber auch im Hexagramm selbst finden, wenn man es in drei schräge Vierecke zerlegt. Früher galt vornehmlich als Symbol des Judentums die Menorah, der siebenarmige Leuchter. Auch er bedeutet, nur mehr an die Form des (Lebens-)Baumes2) erinnernd, wie der Magen David, die Vereinigung von dem Feuer oben, den Planeten (7 Flammen), mit dem Wasser unten und oben, woran 1) In der englischen Heraldik seit dem XIV. Jahrh. (Jew. Guardian 1. c). Die von mir schon vor 22 Jahren widerlegte Deutung des „David" (in Magen D.) aus „Drud" ist eben so wenig stichhaltig, wie es etwa die Herleitung aus „dud(a)im" (Hohesl. 7,i4), in denen David Kimehi die Vereinigung von Mann und Frau erblicken wollte, oder die Verbindung mit död (Dämon), wie WlNCKLER, Arnos 8,i4 lesen will. Vgl. auch oben Löwinger, 82, Anm. 6. Das Hexagramm, nur eine andere Form der Doppelpyramide, drückt die Aussöhnung eines ursprünglichen Antagonismus in einem Dualismus aus, wie er z. B. in den vereinigten Ober- und Unterägypten vorliegt (vgl. Jeremias, Panbabyl. 44), die als Abbilder der Ober- und Unterwelt galten. Hieraus dürfte sich die Wiederholung der geographischen Namen in beiden Landesteilen erklären. Der Herrscher beider Teile wird in einem alten Namen „Horus und Set" — das waren die entsprechenden Gottheiten — genannt (Erman, 22). Man begreift hiernach, wie das Hexagramm den Namen des Gottes der Ober- und Unterwelt graphisch darstellen kann. Daß das Tier Sets, des Gottes der Unterwelt, der Esel ist, erklärt vielleicht, daß der Erlöser auf einem Esel reitet. — Das Hexagramm auf einem Schilde hätte etwa die Bedeutung der Gorgo, des Schwarzmondes, auf Schilden, wie bei den Griechen und den Dajak auf Borneo. Dies gilt als Apotropaion; zugleich soll aber der Krieger in Gestalt des todbringenden Schwarzmondes als unüberwindlich erscheinen (vgl. Mitra, 1. Jahrg., H. 1, S. 13). Das Hexagramm wirkt an sich als der heilige „Name". 2) Auch im aegypt. Mythos leben die Toten vom Welten- und Lebensbaum, der auf den zur Milchstraße in Beziehung gesetzten Inseln der Seligen steht (A. Jeremias, Panbabylonisten, 65). Zu Milchstraße Weltenbaum 1. c. 51 und Hommel, Grundriß 366.