Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 395)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, Jüdische Mystik. 385 du ein Kerub. Unter leuchtenden Steinen wandeltest du. Dein Zelt war ein Baldachin aus Edelsteinen". Dieser König von Tyrus ist Melkart, d. h. der „Stadtkönig" von Tyrus, der tyrische Herakles. Melkart-Herakles1), der Sonnengott,2) bewacht, nach der phönizischen Sage, den Sonnenbaum im Paradies. Er wandert, wie die Sonne wandert, nach dem Westen. Dort wo die Meere sich vereinen, besiegt er den Riesen Antaeus. Er raubt die goldenen Äpfel, die er dann wiedergibt. Es sind die Sterne3), die dem Auge für nötig gehalten wurden, weil man sich das Paradies, den Urpalast Gottes, des Königs, zumeist mit Zedern bestanden dachte... Vom Libanon wurden sie geholt, als von einem Gottesberge." Jeremias, ATAO, 394, weist darauf hin, daß die beiden Quellen am Nahr el Kelb am Libanon von den Arabern als Milch- und Honigquelle bezeichnet werden. Wie (Ps. 80,9) Israel mit dem Weinstock, Aschur mit der Zeder (Ez. 31,3), Mizraim mit dem Livjathan (s. unten), so wird Phönizien mit dem Kerub (die Stellung der Kerubim 2 Mose 25 und 37, einander und zugleich der Bundeslade zugewandt, erinnert an die der Planeten, die einander und zugleich das entsprechende Bild des Tierkreises anblicken), dem Lebensbaum verglichen, der ja, nach dem Gilgamesch- Epos (9. Tafel) Samtu- und Lasursteine als Frucht trägt, womit die Schilderung bei Ez. 28 übereinstimmt (auch die Palme in Eridu glänzt wie uknu-Stein, vgl. WÜNSCHE, Lebensbaum, 2). Daß der Libanon sowohl in babyl. als auch in kanaanäischen Traditionen als heiliger Distrikt gilt, „wird man,64 meint Jastrow, 1. c, „mit der kanaanitischen" (oder „amoritisehen") „Einwanderungsschicht" (vgl. Winckler, Auszug 3 und Jampel, Vorgeschichte) „in Babylonien in Zusammenhang bringen, deren Verlängerungslinie und Nachzügler uns bis nach Syrien führen und als deren Nachwirken auch die Herkunftssagen der Hebräer anzusehen sind". Dieses Moment weist wie so viele andere im folgenden berührte, auf die Heimat Abrahams, Gharan, hin, dessen Religion im Ssabismus nachklingt. Ez. 16 mit seiner Erinnerung an den „amoritischen" Vater Jerusalems würde dadurch verständlich werden, ebenso „darke ha-emori" als „fremde Kulte". Kerub als Nilstrudel: ZAW. 32, 36. 1) Herakles mit Abraham verbunden bei Malchus (Schürer, II, 735, 738), vgl. die 10 Prüfungen Abrahams (Aboth 5,4) und Güdemann, Rlgesch. Studien (auch über Bez. zw. Herakles und David, bzw. Simson) 53 u. s., auch Z. Schles. Volksk. XXI, 14. 2) Daher, wie Wuotan und Thor Weltdurchwanderer, (Aren. 1,143), vgl. auch Dupuis, Gottesverehrung 69, Grünbaum 130. 3) In der Kabbala kleine Sonnen: Rubin, Agada 17 (dort auch sonst über den Apfel, als sex. Symbol). Granwald, Jahrb. f. jüd. Volksk. I. 25