Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 393)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2638044-2638083-2638084--2377-2639751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grunwald, Jüdische Mystik. 383 Baum ist der Lebensbaum1) des Ganeden, ihn kennt das Zendavesta, er ist der Horn der Inder, die Weltesehe Yggdrasil2) der nordischen Mythologie, der Baum, an dem die goldenen Äpfel der Hesperiden wachsen, der Sidra des Koran, der blutende Baum der Alt-Mexikaner3), von ihm stammt der Zauberstab Moses4) in der jüdischen Überlieferung, das Lebenskraut, das wunderwirkende Kreuz5) der christlichen Legende, der Mai- und Weihnachtsbaum, er ist die „Menorahu, der siebenarmige Leuchter im Tempel zu Jerusalem6) und der Weltenbaum der Kabbala, in der die 10 Sefirot u. a. als „elon", als Baum (oder auch als Leuchter) dargestellt werden. Neben dem Lebensbaume oder aus ihm entspringt auf dem Göttersitz das Wasser des Lebens7). Nach den Propheten 1) Über „Lebensbrot und Lebenswasser im Babyl. und in der Bibel" Zimmern im Arch. II, 165ff. Chidr-Ahasver ZDMG. 57, 748. 2) Unter seinen Wurzeln der Quell des Werdens, Urdsquell (Wünsche, Lebensbaum 85). Die ihn benagenden Tiere, wie in dem, auch in jüdischer Überlieferung wiederkehrenden, pers. Gleichnis des Lebens, erinnern an Psalm 80, 9ff. In messianischer Zeit wird sich Israel wie ein Weltbaum ausdehnen: Volz, 372. 3) Abb. bei Reitzenstein, Liebe und Ehe in Ostasien, 74. 4) Vgl. Salzberger, Salomo-Sage, 66 (das. auch Lit. über Paradiesgenossen). 5) Vgl. auch Salzberger, Salomos Tempelbau 51. 6) Baumähnliche Leuchter auch aus der griech.-röm. Antike, die Lampen hingen wie Äpfel herab (Gunkel, 127). Daß in derMenora gerade ein Mandelbaum dargestellt wird, hängt mit der Vorstellung der Sterne als Mandeln und der symbolischen Bedeutung dieser Frucht (vgl. Rubin, Agada) zusammen. 7) Vgl. Sech. 9,9, 14,8, 16ff. Ez. 47, i. Joel 4, is. Jes. 35,6. Off. Joh. 22, i. — „Drei Brunnen stehn im Paradies. Ihr Wasser ist wie Honig süß"... HK 7. Nach arab. Überlieferung kommt alles gute Wasser auf Erden unter dem Fuß des Felsens hervor, auf dem das Heiligtum in Jerusalem ruht, indem es vom Himmel auf ihn herabfällt. Abarbanel zu 1. Kön. 6,19, gibt eine Tradition wieder, nach der unter dem Tempel sich ein unterirdisches geheimes Gemach befunden haben soll. Nach arab. Version ruhte der Felsen des Heiligtumes auf einer Dattelpalme (!), die an einem Strome des Paradieses stand. An diesem Strome reihten zwei Frauen — die eine war Mirjam (!) — den Perlenschmuck der Paradiesbewohner bis zum Tage der Auferstehung auf (Salzberger, Salomos Tempelbau, 4). Wie David mit dem Grundstein, hat Sah mit dem Eckstein des Tempels Schwierig-