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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 383

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 383 (sequence 387)
Language
German
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Grunwald, Jüdische Mystik. 377 der J ecira, der Determination, der Urbilder der sublunarischen Welt, der Ideale, der Engel, die ja in ihrem Wirken determiniert sind; die vierte sublunarische die der Assijah, der Technik, zugleich die der gefallenen Engel, der Dämonen1). Wie die oberste Welt aus den 10 Sefirot, wurde jede der folgenden durch je 10 Potenzen gebildet, die ihnen entsprechen und mit ihnen in steter Verbindung stehen, und zwar durch Kanäle, durch die alles Leben von oben nach unten, aber zugleich von unten nach oben strömt. Hier ist der Punkt, in dem sich die Kabbala grundsätzlich von der Kosmologie des übrigen alten Orients unterscheidet. Diese Kosmologie ist, wie wir sahen, auf astrologischer Grundlage aufgebaut. Jedem Geschöpf ist sein Geschick unwiderruflich und unentrinnbar mit seiner Geburt vorgeschrieben und besiegelt. Wie vom Monde Ebbe und Flut, so hängt jeder Wandel auf Erden von der Konstellation am Himmel droben ab. Der Ausgangspunkt dieser Lehre, der Astrologie, die in unseren Tagen wieder in Schwung gekommen ist, ist der Kosmos; wie alle anderen Geschöpfe auch der Mensch nur Produkt und Objekt kosmischer Kräfte. Gerade der entgegengesetzte Ausgangspunkt ist der der Kabbala. Nicht vom Universum geht sie aus, sondern vom Menschen. Der Mensch ist der Mittelpunkt, er ist der Zweck der Welt. Viele Welten waren entstanden und wieder zerstört worden, bis die ins Dasein trat, in der der Mensch seine Lebensbedingungen vorfand. Diese Wahrheit ist ausgesprochen in dem biblischen Satze: „Gott erschuf den Menschen in seinem Ebenbilde", was man auch mit den Worten ausdrücken könnte: „Die Welt ist das Urbild des Menschen"2). Es kommt nur darauf an, von welcher 1) Über ihren z.T. übernatürlichen, z.T. natürlichen Charakter: Salzberger, Sal.-Sage 94; ihre Bezeichnung als „las buenas horas" in Jamboli: Schwab, 539. Über Krankheitsbeschwörungen in Tunis: I. c. 540. 2) Eine Darstellung des Makrokosmos oben und Mikrokosmus unten in Form eines Magen David, oben der Kopf, unten der Schwanz des Drachen; im Zentrum, durch eine Linie, die das sechseckige Mittelstück halbiert, in Ober- und Unterleib geteilt, der Mensch: Jennings, II, 57. Welt aus d. Menschen geschaffen: SiMONSEN-Festschr. 121.

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