Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 386)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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376 Grunwald, Jüdische Mystik. Aus eins mach zehn Und zwei lass' gehn Und drei mach gleich, So bist du reich. Verlier die vier Aus fünf und sechs, So sagt die Hex', Mach sieben und acht, Dann ist's vollbracht. Und neun ist eins Und zehn ist keins... Als Schlüssel für dieses Rätsel diene das Wort „Kalenderei" im 2. Teil des „Faust". Die Buchstaben dieses Wortes schreiben wir unter die Zahlen 1 bis 10. Also 1234567890 KALENDEREI. Und 10 ist keins, d. h. 0. „Aus 1 mach 10", d. h. 0; ich streiche das K. „Und zwei laß gehn"; A bleibt. „Und drei mach' gleich": ich verdoppele L. „Verlier die 4"; ich streiche sie gleichfalls. „Aus 5 und 6 mach 7 und 8". 5 und 6 sind ND Ende. Ein „Ende" mache ich mit 7 und 8, d. h. ich streiche sie ebenfalls. Und 9 ist 1, d. i. 0. Somit bleibt ALL. Aus den Zahlen 1—10 ist das All entstanden. Im Hebräischen werden die Zahlen durch Buchstaben dargestellt1). Diese Buchstaben-Zahlen besitzen schöpferische Kraft nicht nur in mathematischen Kombinationen. Sie setzen auch Wörter zusammen, d. h. Namen von Gegenständen. Unter diesen Namen gibt es schöpferische, wie ja Gott durch das zehnmalige „Werde" die Welt ins Dasein gerufen hat. Die zweite Welt ist die der Beria2), der Schöpfung, d. i. der schöpferischen Ideen, darunter die Thora; die dritte die 1) Der gleiche Zahlenwert der Wörter entspricht inneren Beziehungen der Gegenstände, so adam w'chawwah =70 abi w'immi dam ud'jo; j"k (15) X hVj'h (26) 390 schamajim 15 X 'elohim (86) 'erec, das Alef als 1000 (mystische Vermählung von Himmel und Erde nach Jes. 26,4); androgynos zeker un'qeba sch'kina; elohim hateha, vgl. Rubin, Heidentum und Kabbala, 67. 2) bara durch das Wort ins Dasein rufen, vgl. Ps. 33, 9 (Gunkel Schöpfung, 23).