Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 383)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Jüdische Mystik. 373 Sphaira Kugel als auch an das hebräische Sefira =tZaM erinnert und eine offenbar unter neuplatonischem und neupythagoreischem Einfluß entstandene Vorstellung bezeichnet. Diese Überlieferungen setzten sich fort und wurden durch neue Elemente bereichert. Im Mittelalter zeigt sich die jüdische Mystik mit der christlichen verwandt. Auch sie wendet sich gegen die Erstarrung des traditionellen Ritualismus. In Spanien polemisiert sie gegen den aristotelischen Rationalismus, der insbesondere in den Werken des Maimonides seinen Einfluß geltend macht. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts werden alle diese Lehren in Form eines homiletischen Kommentares zum Pentateuch zusammengetragen. Der Titel ist ein aus dem Buche Daniel entlehntes Wort: Sohar Glanz. Als Verfasser wird Mose de Leon genannt, der seinerseits das Werk einer Autorität des Talmuds, dem Simon ben Jochai, zuschreibt. Die neuere kabbalistische Überlieferung knüpft an den Namen Isak Lurias an, der im 16. Jahrhundert in Saffed (Palästina) lebte. Nach seiner Theorie gibt es keine objektive Erkenntnis. Die Herrschaft über die Welt der Erscheinungen zu gewinnen, empfiehlt er gewisse Mittel. Diese Kabbala wurde in Italien von gewichtigen Stimmen bekämpft, im Osten lebt sie noch heut in ungeminderter Kraft. Sie führte im 17. Jahrhundert zu der messianischen Bewegung, in deren Mittelpunkt Sabbathai Zebi stand. Eine ähnliche Bewegung verursachte die Kabbala im 18. Jahrhundert in dem Amulettenstreit zwischen Eybenschütz und Emden. Daß die christliche Welt an diesen Bewegungen sogar aktiven Anteil nahm, erklärt sich daraus, daß die Kabbala in christlichen Gelehrtenkreisen Aufnahme gefunden hatte. Schon Raimundus Lullus im 12. Jahrhundert beschäftigt sich mit ihr literarisch. Pico von Mirandola im 15. Jahrhundert sucht nachzuweisen, daß in der Kabbala die christliche Lehre eine Rechtfertigung und Begründung finde. Diese Auffassung war auch der Grund, daß in Zeiten, in denen das Talmudstudium den Juden untersagt und Talmudexemplare öffentlich verbrannt wurden, man der Beschäftigung mit der Kabbala keine Schwierigkeiten bereitete. Dies führte weiter-