Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 362)
- Language
- German
- Belongs to
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352 Landau, Sprichwörter und Redensarten. 129. Er hot giboirti Oirn. Ein sehr scharfes Gehör. Ebenso Weissb. 127. Vgl. Wie man sprucht, das könig und grose potentaten durchgeborte oren und lange hendt haben, von weitem vernemen und auch von weitem zugreifen. Zimmerische Chronik (16. Jahrh.) 4, 33. 130. Er wet is zein, azoi wi er wet zein zäni Oirn. Er bekommt es nie wieder zu sehen. Ebenso bei Shmr.: du west zin Gelt, wi du west zen dän Oir. p. B§dziesz widzia*, jak swoje uszy. Ad. 588, 1. Ebenso klr. Fra. 1,165, 25. 2, 460,1. lettisch Zb. 16, 200,196. 131. £r leigt nist intar'n Oir. Von einem, der beim Essen tüchtig einhaut. Wa. 3,1132,199, ohne Erklärung. Dagegen bei Weissb. 126 Leigen im er di Oiern: kauen, stehlen. Vgl. p. Najadl si§, az mu za uchem trzaslo. Er hat sich vollgefressen, daß es hinter dem Ohr krachte. Ad. 327,2. Li. 5, 722. 132. 's iz du an Oiwn in Stib. Warnung, wenn jemand, namentlich ein Kind, im Zimmer ist, der das Gespräch nicht hören soll. Es ist ein Ofen im Zimmer. Wa. 3,1120,128; 5,1477,14. Urqu. 4,150. De Awe ös ön 'er Stäw. Fri. 2,1977. SWB. 4, 140. 5, 40. 133. Mi darf dim Oiwn änwarfn (oder änleign. Ausruf beim Eintritt seines seltenen Gastes. Ebenso bei Shmr. Wa. 3,1116, 38. Schlag den Ofen eint Te. 458. Doa sollet' mer 'n Ouf'n ei'warfen (Franken) Wa. 3,1120,114. (Obösterr.) 1119,104. SWB. 2, 639; 5, 40. p. Tod sie, näm piec obali. (Schlesien) Ad. 387,9 134. Oks Tug. Sehr früh am Tage, in aller Frühe. Affektwort, derber Forts Tug. In Pinsk: Huks Tug. An Okstog de polones, wenn man zu früh belästigt wird. (Mähren) M. 4,140. Vielleicht vom p. o kgs, okez, um etwas weniges, um ein Haar, beinahe. Li. 2, 346. Zb. 2, 250. SGP. 3,426; 2, 334, also: fast Tag, eben als es tagt, oder von j. okarst, nur, beinahe, vgl. bei Liniecki: okerst-Tog . . wen die slofen noch. Jd. Volksbibl. 1, 67. okarst ist das d. mundartl. weit verbreitete ackers, ackerst, ockes (letzteres bei Curtze, Volksüberlieferungen aus Waldeck 487) nur, bloß. Denkbar ist auch eine Volksetymologie aus einem anzusetzenden Boks Tug als Verhüllung von Gots Tug, wie in den zahlreichen d. Flüchen und Beteuerungen des 15. und 16. Jahrhunderts: Bocks Bart, Bocks Marter. Gr. 2, 202, 6. B. 1, 203, vgl. azoi Gots fri. AKSENfeld, Rekrut 33. d. in aller Gottesfrühe. 135. Mi zol zach nist oustin biz mi leigt zach (nist) slufn. Man soll seine Habe nicht bei Lebzeiten anderen übergeben. Sik nich ehr uttehn, bet man na Bedde geit. Eichwald, Niederd.