Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 336)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bamberger, Aus meiner Minhagimsammelmappe. 327 jeden Priester nur einmal zuließ, weil dem Priester dafür Reichtum verkündet war1). Nach dem Minhag Rom sind zwei Gevatter bei der Beschneidung anwesend2), von denen der eine den rechten Fuß des Kindes, der andere den linken Fuß des Kindes hält. Das Kind liegt während des Aktes auf dem Eliasstuhl und wird nicht wie bei uns vom Gevatter auf den Knien gehalten. 6. Brismilohkerzen. Abgesehen von der festlichen Beleuchtung, die bei jeder Feierlichkeit üblich ist, hat das Anzünden von Kerzen bei der Beschneidungsfeier seine besondere Bedeutung. In jenen Zeiten, in denen die Vornahme der Beschneidung verboten war, zündete man im Hause in dem die Beschneidung stattfand, Kerzen an. Das galt den vorbeigehenden Juden als Einladung, an der Feier teilzuehmen3). In Süddeutschland ist es Brauch, eine starke Kerze anzuzünden, „die Jüdschkerze". Diese läßt man vollständig ausbrennen. Außerdem werden noch 12 kleine Kerzen angezündet, nach Zahl der 12 Stämme „Schewotim" genannt, damit andeutend, daß der Knabe durch die Aufnahme in den Bund Abrahams den 12 Stämmen als Mitglied angehöre. Man legt Wert darauf, daß im ganzen 13 Kerzen brennen, weil das Wörtchen Berith (Bund) in dem Kapitel über die Beschneidung 13 mal vorkommt. Die,,Schewotim" werden verwahrt und, wenn der Knabe mit dem Pentateuchlernen beginnt, wieder angezündet. Vielfach war es Minhag, daß einige Zeit nach der Beschneidung 10 Erwachsene den Knaben besuchten, der ebenso geschmückt war wie am Tage der Beschneidung, man legte einen Pentateuch in die Wiege und sagte: „Dieser möge halten, was in diesem aufgetragen ist", und andere Segens- 1) Talmud Babli Joma 26a. Im Widerspruch damit steht das Sprichwort: „Gevatterschaft ist eine Ehr, macht aber den Beutel leer". 2) Glasberg, Sikhron berith larischonim S. 239. 3) Rokeach, Hilchoth Milah 13.