Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 334)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bamberger, Aus meiner Minhagimsammelmappe. 325 „die Trauer des kleinen Weltbürgers, der im Mutterleibe die ganze Thora gelernt und mit seiner Geburt alles vergessen habe"1). Mit Rücksieht auf diese Trauer ist es wohl auch an vielen Orten üblich, den Gästen beim Sochor mit Erbsen aufzuwarten2). Es ist aber wohl auch die Erinnerung an den Tod, der gleiche Grund, der im römischen Minhag bei der Beschneidungsfeier Eier, die Speise der Trauernden, reichen läßt3). Der Brauch, den Neugeborenen zu besuchen, ,,der seine Thora vergessen hat", ist vielleicht auch begründet in der Mahnung des Talmuds4): „Lasset es nicht fehlen an Ehrerbietung gegenüber dem Gelehrten, der unverschuldet sein Wissen eingebüßt hat". 4. Der Eliasthron bei der Beschneidrmg. Der Prophet Elias, der in den schweren Zeiten, als der Götzendienst dem Bestände der Thora gefährlich zu werden drohte, durch seinen Eifer für das Gesetz für dessen Fortbestand eintrat, gilt auch als derjenige, der bei der Aufnahme eines Knaben in den Bund Abrahams anwesend ist und beim heiligen Akte seine Hand schützend über den Knaben hält. Ihm zu Ehren wird ein besonderer Sessel, der Eliasthron, im Beschneidungsraum aufgestellt. Auch der Brauch der ^rrba blü a©? ist sehr alt. Im Pirqe de Rabbi Elieser (Kap. 29) wird dies wie folgt begründet: Der Bund der Beschneidung wurde bis zu den Tagen der Reichsteilung in Israel allgemein beachtet. Im Reiche Efraim wurde aber — zu Zeiten Achabs — die Beschneidung vielfach unterlassen, da trat Elias auf und eiferte für die Erhaltung des Bundes und er schwur, daß als Strafe Tau und Regen ausbleiben solle. Königin Isebel ließ ihn verfolgen, um ihn zu töten. Er floh und auf seiner Flucht erschien ihm Gott und 1) Talmud babli Nidda 30b. 2) Die eigentliche Trauerspeise Linsen wollte man am Sabbat nicht reichen, vgl. meinen Aufsatz „Der Minhag, an Halbfesttagen keine Hülsenfrüchte zu genießen" Jeschurun III. 1916, S. 549. 3) Berliner, Geschichte der Juden in Rom II, 2, S. 196. 4) Babli Berakhoth 8 b.