Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 333)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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324 Bamberger, Aus meiner Minhagimsammelmappe. i. J. 1727 in Rom gegründet wurde zu dem Zwecke, „die Mitglieder des Vereins am Vorabend des achten Tages nach der Geburt eines Knaben zum gemeinsamen Studium der schriftlichen und mündlichen Lehre, besonders des Sohar, zu versammeln"1). Der Reisende Israel Benjamin berichtet2) aus Nordafrika, daß dort vom ersten Tage der Geburt an jeden Abend Gäste sich einstellen; in der Nacht vor der Beschneidung findet eine Festmahlzeit statt, nach deren Beendigung wird bis zum Tagesanbruch Thora gelernt. 5. Der Sochor. Am Freitagabend nach der Geburt eines Knaben ladet der Vater seine Bekannten und Freunde zum Sochor ein, d. i. die Festlichkeit, welche aus Anlaß der Geburt des Knaben am Freitagabend stattfindet. Dieser Brauch ist schon sehr alt. Viele denken, daß es die im Talmud babli Baba kama 80 a erwähnte Feier gwj ist, die man, nach der Erklärung Rabbenu Tams (Tosafoth z. St.), deshalb beging, „weil das Kind aus dem Mutterleibe befreit wurde". Dort ist jedoch nichts davon erwähnt, daß die Feier am Freitagabend stattfand. Rabbi Israel Isserlein3) weist aber bereits darauf hin, „daß man diese Feier auf den Freitagabend verlegte, weil da jeder zu Hause ist". Ob nun tatsächlich die Feier ^an PWä] mit dem Sochor identisch oder nicht, so ist jedenfalls die Sitte des Sochor bereits in der Tosaphistenzeit bekannt. Remah4) kennt die Sochormahlzeit ebenfalls und läßt sie als Mizwohmahlzeit gelten. Türe Sahab 5) teilt ein Zitat aus Perischa6) mit, der, im Namen Rabbi Menachems, als Grund für diesen Besuch beim Neugeborenen angibt, 1) ibid. S. 195. 2) Mass'e Israel ins Hebr. übertragen von Gordon, Lyk 1852, S.127. 3) Terumath Hadeschen 269; vgl. Darke Mosche Jore Deah 256,9. 4) Jore Deah 265,12. 5) ibid. 265,13. 6) Joreh Deah 264,9 und Derischa 305,14.