Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 332)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bamberger, Aus meiner Minhagimsammelmappe. 323 2. Das Lernen in der Nacht vor der Beschneidung: Wachtnacht. Wie der Name „Wachtnacht" bereits andeutet, soll in der dem Beschneidungsmorgen vorausgehenden Nacht das Kind besonders bewacht werden. Der Beschneider bringt das Beschneidungsmesser ins Haus und der Lehrer führt wie jeden Abend bis nach der Beschneidung seine Schüler in die Wohnung der Wöchnerin, damit sie dort das Schema lesen sollen. Der Grund ist wohl darin zu suchen, daß Mutter und Kind durch erfahrene Leute beobachtet werden sollen, ob die Beschneidung am 8. Tage vollzogen werden darf, ohne daß für deren Leben eine Gefahr zu fürchten ist. Um dies in einer möglichst unauffälligen Weise zu tun und gleichzeitig das Thorastudium zu fördern, kommen Lehrer und Schüler und auch andere Thoragelehrte ins Haus, um zu „lernen". Jacob Glasberg1) gibt als Begründung für das Wachen in der Nacht vor der Brismiloh eine Erklärung von R. Jacob Chagis2), die an das Schriftwort (Genesis 17,9) anschließt nittipfi irvna nrtsn „Und du sollst meinen Bund hüten". Danach müsse man die Zeit für die Ausübung der Beschneidung genau im Auge halten, jedenfalls deshalb, damit sie gleich mit Tagesanbruch vollzogen werden kann (rwrr m*n nspn). Glasberg3) berichtet auch, daß in italienischen Gemeinden Vereine bestehen, deren Mitglieder es sich zur Aufgabe stellen, in der Wachtnacht zu lernen. Diese Angabe wird für Rom durch Berliner4) bestätigt: „Am Abend vor der Beschneidung darf nur der Brüderschaft, welche zum Beten erscheint, Kaffee mit Biskuit gegeben werden". Er berichtet auch vom Elija-Verein, der vom Rabbiner Crocos 1) Sikhron berith larischonim Berlin 5652, S. 148. 2) Halakoth Kethanoth, Tl. II, 169. In der mir vorliegenden Ausgabe Krakau 1897 konnte ich diese Erklärung nicht finden. 3) A. a. 0., S. 148. 4) Geschichte der Juden in Rom, II. Bd., II. TL Frankfurt a. M., 1893, S. 176. 21*