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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 327

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 327 (sequence 331)
Language
German
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322 Bamberger, Aus meiner Minhagimsammelmappe. ihr zu schützen, und erst als sie durch einen heiligen Eid sich verpflichtete, die Kinder zu verschonen, sobald sie diese drei Engel oder deren Namen erblickte, gaben sie die Lilith frei. Deshalb schreiben wir die Namen der drei Engel in ein Amulett, das die Kinder heilt". Eliah Bachur im Tischbi1) bemerkt, daß er nur widerwillig darüber berichtet habe und die Angaben Ben Sira's mitteile, denn er glaube nicht daran, „aber der Minhag ist bei uns Aschkenasim allgemein verbreitet, daß man auf die Wand des Raumes, in dem die Wöchnerin sich befindet, einen Kreis mit Vitriol oder Kohle aufzeichnet, darauf die Worte: „AdamChawa, ausgeschlossen sei Lilithu, und die Namen der drei Engel schreibt. Ich glaube zwar nicht daran, wer aber daran glaubt, lese darüber nach im Alfa betha des Ben Sira". Landau in den Anmerkungen zum Aruch2) denkt an nichtjüdische Beeinflußung und erinnert an die Lamien der Griechen. „Juno tötete ihren Sohn und aus Rache wandelt sie gespensterhaft als Vampyr herum und tötet blutaussaugend die kleinen Kinder. Auch die Lilith, Adams erste Gattin, ist eine Feindin des Menschengeschlechts, wandelt herum und tötet die neugeborenen Kinder.4' Der Gedanke, daß vielleicht nicht jüdischer Einfluß diese Sitte entstehen ließ, ist nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen, da doch der Dämonenglaube und der Glaube an Zauberei mit der monotheistischen Anschauung des Judentums nicht zu vereinbaren ist, wie dies Maimonides (Mischnacommentar Abora zarah IV, 7) deutlich ausspricht. Weshalb aber ist dieser Brauch von den Rabbinen geduldet worden und wird noch heute geduldet? Bekanntlich muß nach der talmudischen Auf fassung — und auch nach unserer — die Wöchnerin stets aufmerksam beobachtet werden, ebenso das neugeborene Kind, damit ihnen nichts zustößt. Die Zettel an der Wand sollen daran erinnern, dass man es an der nötigen Aufmerksamkeit nicht fehlen lasse. 1) Ed. Czernowitz, 1855, S. 34a. n^bb. 2) Tl. III Prag s. a., S. 393, Anmerkung 1.

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