Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 330)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bamberger, Aus meiner Minhagimsammelmappe. 321 den Ursprung derselben zu erforschen und zu begründen. Sicher wird mancher Leser in der Lage sein, unser Material zu vervollständigen, unsere Begründung richtig zu stellen oder zu ergänzen. Wir teilen hier zunächst einige Minhagim bei der Geburt des Kindes mit. 1. Die Zettel in der Wochenstube. Ist eine Frau von einem Kinde glücklich entbunden, so ist es die erste Sorge des glücklichen Vaters, die Wochenstube mit jenen bekannten vier Zetteln zu versehen, welche die Namen der drei Engel Senoi, Sansenoi und Samangeloph enthalten. Dadurch wird das Kind vor der den kleinern Kindern gefahrbringenden Dämonin Lilith geschützt. Diese Sitte ist allgemein verbreitet. Man begegnet ihr im Süden und Norden, im Osten und im Westen, bei Gelehrten und Ungebildeten und nicht erst in unserer Zeit, schon vor Jahrhunderten ist sie bekannt. Der älteste Berichterstatter über den Ursprung dieses Minhag ist das Alfa betha von Ben Sira. Dort wird erzählt1): Der Sohn des Königs Nebukadnezars war erkrankt, da rief er Ben Sira und sagte ihm: ,,Heile ihn oder ich töte dich". Sogleich schreibt er ein Amulett, im Namen des heiligen Gottes, welches die Namen der drei Engel enthält. ,,Was bedeuten diese", fragt Nebukadnezar, und Ben Sira erwidert: „Es sind dies die Namen der drei von Gott eingesetzten Engel, welchen die Heilung der Menschen übertragen ist, Senoi, Sansenoi und Samangeloph. Als nämlich der erste Mensch geschaffen war und er noch kein Weib hatte, ward Lilith ihm zugesellt. Diese konnte sich aber mit Adam nicht vertragen und entfloh. Die drei ihr nachgeeilten Engel wollten sie zurückbringen, sie wollte aber nicht, da sie es als ihre Aufgabe betrachtete, die neugeborenen Knaben vom 8. Tage, die Mädchen vom 20. Tage schwach und krank zu machen. Da wollten die Engel noch mit größerem Eifer sie gefangen nehmen, um die Kinder vor 1) Ich zitiere nach der zweiten Rezension im Ozar Mdraschim. New York, 1915, I. TL, S. 46/47. Gruawald, Jahrb. f. jud. Volksk. I. 21