Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 329)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus meiner Minhagimsammelmappe. Von M. L. Bamberger. Neben den religionsgesetzlich festgelegten Vorschriften und Bestimmungen gibt es eine Reihe von Bräuchen, welche im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind und oft peinlicher und gewissenhafter beachtet werden als manches Religionsgesetz. Diese Bräuche, Minhagim genannt, begegnen uns bei den verschiedensten Gelegenheiten, von der Wiege bis zum Grabe, am Sabbat- und Festtag ebenso wie am Wochentag, in Europa ebenso wie in andern Ländern. Bei allen Minhagim, so verschieden sie auch sind, ist ein Gemeinsames, das Streben, ein gottgefälliges Werk zu vollbringen. Und deshalb muß Spott und Hohn verstummen, wenn uns auch manchmal ein Minhag begegnet, der uns lächerlich erscheint. Wir erkennen den guten Willen an und lassen den harmlosen Minhag seinen Besitzer ruhig üben. Anders, wenn es sich um einen Minhag handelt, der direkt dem Religionsgesetze ins Gesicht schlägt; da ist es natürlich Pflicht, darauf hinzuweisen, daß solcher Brauch unmöglich berechtigt und begründet sein kann. Bei vielen solchen uns begegnenden Minhagim stehen wir ratlos da, weil niemand imstande ist, uns Aufschluß darüber zu geben, ob dieser Brauch irgendwie begründet und demnach berechtigt sei oder nicht. Wir halten es deshalb für eine verdienstvolle Aufgabe, die Minhagim zu sammeln,