Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 306

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 306 (sequence 310)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2638044-2638083-2638084--2294-2639668
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 301 Mann nähert sich und sagt, indem er die Schlange betrachtet, wie folgt: „Wer hat diese Schlange getötet?" „Ich," antwortet der erste Mann. Der zweite bemerkt den Kranz des ersten und sagt: „Wahrlich, ich bin davon fest überzeugt, daß du die Schlange getötet hast! Nimm doch, ich bitte dich, den Kranz von deinem Kopfe!" Nachdem dieses geschehen, befiehlt der zweite dem ersten die Schlange mit seinem Stabe zu berühren. Dies geschah; als er sich der Schlange näherte, da fiel er in Stücke (vgl. Gen. r. 10, 8. Lev. r. 22, 2. Eccl. r. 5, io, Tanch. ed. Buber, IV, p. 98, Num. r. 18, 22, R. Pinchas im Namen des R. Chanan aus Sepphoris). Es kann darüber keinen Zweifel geben, daß das Gewächs, aus dem der Mann seinen Kranz verfertigte, zu den Kräutern gehörte, die nach alten Vorstellungen Leben spendend oder vernichtend wirken. Der Magier, als solchen dürfen wir den zweiten Mann betrachten, wußte dieses, und veranlaßt ihn deshalb, den Kranz zu entfernen, was dem ersten den Tod verursacht. Ferner ist zu beobachten: wie im ersten Falle das Hirschhorn die Schlange vertreiben kann, so wird hier die Schlange von der Berührung eines bestimmten Grases getötet. Noch ein zweites Schlangenwunder erscheint uns erwähnenswert. Wir meinen die Geschichte von der Vermählung der Tochter des R. Akiba. Letzterer hatte eine Tochter. Die Chaldäer (d. h. Astrologen) sagten, daß sie an ihrem Hochzeitstage, von einer Schlange gebissen, sterben werde. In der Hochzeitsnacht nahm sie ihr Halsband und es fiel auf die Augen der Schlange. Des Morgens griff sie nach ihrem Halsband und die Schlange hing daran. Ihr Vater fragte sie: „Was hast du denn getan?tc d.h., durch welches Verdienst ist es dir gelungen, dem sicheren Tode zu entrinnen? Sie antwortete: „Abends kam ein armer Mann, er bat an der Türe, d. h. um Hilfe, keiner hörte ihn, weil alle mit dem Mahle beschäftigt waren, da gab ich ihm meinen Teil". (B. Sabb. 156 B). In dieser Erzählung sind drei Punkte besonders hervorzuheben. Erstens die verbreitete Vorstellung von den Gefahren der Brautnacht, vgl. die sogen. Tobiasnächte. Zweitens die Anwesenheit der Schlange, die vielleicht mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.